War an der Univ. und vermutlich als Sekretär des Kardinals Lemoine in Paris tätig, bevor er um 1464 mit dem burgundischen Hof in Verbindung trat. 1475–1506 war er Hofchronist (wertvolle Hinweise auch auf musikalische Ereignisse). 1494 hatte er Kanonikate in Valenciennes und Cambrai/F (Saint Géry). M. stand in persönlichem bzw. brieflich-literarischem Kontakt mit Antoine Busnois, Loyset Compère und Johannes Ockeghem. Seine bekannte (vor 1470 entstandene) Chanson Tart ara mon cuer wurde von H. Isaac zu einem Instrumentalsatz verarbeitet. In mehreren Dichtungen zitiert M. Incipits burgundischer Chansons.
Werke
Chroniques, hg. v. G. Doutrepont u. O. Jodogne, 3 Bde. 1935–37; Les Faictz et dictz, hg. v. N. Dupire, 3 Bde. 1936–39; Chanson Tart ara mon cuer (Ausg.: DTÖ 28 [1907], 166ff u. 197f).
Literatur
- MGG 12 (2004)
- NGroveD 16 (2001)
- N. Dupire, J. M. 1932
- D. Fallows, A Catalogue of Polyphonic Songs, 1415–1480, 1999
- Riemann 1961 u. 1975
- Strohm 1993
- D. Fallows in M. Staehelin (Hg.), Gestalt und Entstehung musikalischer Quellen im 15. u. 16. Jh. 1998
- MGÖ 1 (1995)
- J. van Benthem, La magie des cris trenchantz: Comment le vray trésorier de musique échappe à la trappe terrible satrappe,in A.-E. Ceulemans/B. J. Blackburn (Hg.), Théorie et analyse musicales 1450–1650, 2001, 119–147
Autor
- Alexander Rausch
Letzte inhaltliche Änderung
14.3.2004Empfohlene Zitierweise
Alexander Rausch, Art. „Molinet, Jean“ (14.3.2004), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d9ec (abgerufen am )
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