Milz, Alois (Ernst)

* 15.5.1908 Wien, † 25.2.1993 Tamsweg/Sb

Lehrer, Komponist, Schriftsteller, Volkskundler, Volksliedsammler

M. übersiedelte 1910 nach dem Tod des Vaters mit seiner Mutter nach Budweis, wo er sich der katholisch-völkischen Jugendbewegung Staffelstein anschloss; hier stieg er bis zum Gaugrafen und Schriftleiter der Bundeszeitung auf. In Budweis besuchte M. die Übungsschule der Deutschen Lehrerbildungsanstalt und das Deutsche Staatsoberrealgymnasium (Matura 1928). Danach studierte er Philosophie, Geografie, Germanistik, Geschichte und Volkskunde an der Deutschen Universität Prag (heute Univerzita Karlova v Praze), wo M. 1939 mit Das Christkindlspiel der Stritschitzer Sprachinsel dissertierte (veröffentlicht im selben Jahr). In dieser Sprachinsel zeichnete er auch Volkslieder auf. Kurz darauf erhielt er die deutsche Staatsangehörigkeit und heiratete. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges meldete sich M. freiwillig, 1942–45 diente er in der Deutschen Wehrmacht. Nach seiner Entlassung aus der amerikanischen Gefangenschaft suchte er um eine Einreisebewilligung in Österreich an, die er 1946 erhielt. 1947 wurde er wegen einer Handverletzung für arbeitsunfähig erklärt, 1949 hielt sich M., um seine Verletzungen behandeln zu lassen, in der Steiermärkischen Sonnenheilstätte Stolzalpe (heute LKH Murau/Standort Stolzalpe) bei Murau auf, wo er eine Sing- und Musikgruppe mit Patienten des Krankenhauses sowie mit Kindern des benachbarten Kinderheims gründete. 1950 bekam M. eine Stelle als Erzieher in diesem und unterrichtete dort u. a. Deutsch, Geschichte, Geografie, Latein, Griechisch und Musik. Daneben richtete er eine Bibliothek und eine Schallplattensammlung ein und gründete verschiedene Selbsthilfegruppen im Krankenhaus Stolzalpe, wo er seine Idee einer Biblio- und Musiktherapie realisierte. Zudem führte M. eine Gruppe der Alpenvereinsjugend und leitete Jahre lang die Singwochen im steirischen Bildungshaus Schloss Retzhof/St. 1972 ging M. in Ruhestand und zog mit seiner Familie – nach der Scheidung von seiner ersten Frau hatte er 1953 Ada-Maria Komatz-Neumann geheiratet – nach Tamsweg, wo er nach langer und schwerer Krankheit starb. M. verfasste literarische Texte und komponierte v. a. Heimatlieder in Hochsprache und Dialekt, von denen Das Wuldalied (= Moldau) überregionale Beliebtheit erlangte; er zeichnete Volkslieder auf und betrieb volkskundliche wie mundartliche Studien.

Gedenkstätten

  • Gedenkstein am Aussichtsturm Moldaublick bei Ulrichsberg 1990

Ehrungen

  • Kulturpreis der Stadt Passau 1975
  • Adalbert-Stifter Medaille 1981

Werke

Die guten Willens sind. Ein Weihnachtsspiel unserer Zeit 1955, Loblied der Heimat 1987, Gang durchs Jahr (= Steirisches Liederblatt 8/6) 1989; Das Wuldalied 1931, Gipfelfreude 1987, Marias Gang über’s Gebirge 1987.

Schriften

  • Alois Milz, Das Christkindlspiel der Stritschitzer Sprachinsel, Reichenberg-Leipzig 1939
  • Alois Milz, „Das Mühlviertel im Boiohaemum Celticum. Ein Versuch zur Erklärung topographischer Namen“, in: Oberösterreichische Heimatblätter (1972), 97–107
  • Alois Milz, Südböhmen und der Böhmerwald im Boiohaemum Celticum, Linz 1974
  • Alois Milz, Budweis und Stritschitzer Sprachinsel, o. O. 1979

Literatur

  • Hertha Wittmann-Kirschbaum, „In Memoriam Dr. Alois Ernst Milz“, in: Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes 42/43 (1993/1994), 266–268
  • Claudia Traar, Alois Milz. Das Wuldalied und seine weiteren Werke, Mag.arb. Univ. für Musik und darstellende Kunst Graz 2002
  • Juan Bermúdez, Art. „Milz, Alois Ernst“, in: LiedSammlerVolk. Volksliedsammler und -sammlerinnen in der Steiermark, hrsg. von Helmut Brenner u. a., Graz 2016, 147–150
  • Jan Mareš, „Alois Ernst Milz“, in: Kohoutí Kříž / ’s Hohnakreiz, https://www.kohoutikriz.org/autor.html?id=milzt=p und www.kohoutikriz.org/autor.html?id=milz (13.4.2026)
  • eigene Recherchen

Abbildungen

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

25.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Milz, Alois (Ernst)“ (25.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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