sie machen in vielen europäischen Kulturlandschaften einen Großteil des Liedbestandes aus. Als L.er bezeichnet man allerdings nur jene lyrischen Lieder, in denen Liebesleid oder Liebesfreud das Hauptthema bilden, nicht aber Balladen, erzählende Lieder, Standeslieder oder Fensterllieder, auch wenn sie L.-Motive enthalten. Im L. verschafft sich die sublimierte Form des Liebeserlebnisses Ausdruck, was die L.er wiederum von den erotischen Liedern unterscheidet, in denen es um die leibliche Liebe als Ausdruck der Geschlechtlichkeit des Menschen geht. Die Grenzen sind allerdings fließend. Historisch reicht das volkstümliche L. in Österreich von barocken Gesellschaftsliedern über das Biedermeierlied und alpenländische Gstanzln bis zu Neuschöpfungen im Umkreis von Mundartdichtung und Chorpflege. Häufig sind oberschichtliche Einflüsse, merkbar z. B. in den unverkennbaren Nachwirkungen des Minnesangs (z. B. Vogel als Liebesbote, Herzensschlüssel, Farbsymbolik, Tagelied u. a.). In Österreich machen einen Großteil der L.er „Gstanzllieder“ aus, bei denen atmosphärisch zusammenpassende Schnaderhüpfel assoziativ aneinandergereiht werden und so mehr oder weniger dauerhafte Verbindungen eingehen und zu Liedern werden.
Literatur
- R. W. Brednich et al. (Hg.), Hb. des Volksliedes 1 (1973) [Erotisches Lied
- Schnaderhüpfel]
- L. Röhrich/R. W. Brednich, Dt. Volkslieder. Texte und Melodien 1967
- A. Anderluh, Kärntens Volksliedschatz, Reihe 1: L.er 1960ff.
- J. Künzig/W. Werner-Künzig, L.er vom Böhmerwald bis zur Wolga. Authentische Tonaufnahmen 1953–1976, 1979
- B. Muschiol, „Keine Rose ohne Dornen“. Zur Funktion und Tradierung von L.stereotypen 1992
- O. Holzapfel, Lex. folkloristischer Begriffe und Theorien 1996
Autorin
- Gerlinde Haid
Letzte inhaltliche Änderung
14.3.2004Empfohlene Zitierweise
Gerlinde Haid, Art. „Liebeslied“ (14.3.2004), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d789 (abgerufen am )
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