Liebeslied

Lieder, in denen in irgendeiner Form die Liebe zwischen Mann und Frau angesprochen wird;

sie machen in vielen europäischen Kulturlandschaften einen Großteil des Liedbestandes aus. Als L.er bezeichnet man allerdings nur jene lyrischen Lieder, in denen Liebesleid oder Liebesfreud das Hauptthema bilden, nicht aber Balladen, erzählende Lieder, Standeslieder oder Fensterllieder, auch wenn sie L.-Motive enthalten. Im L. verschafft sich die sublimierte Form des Liebeserlebnisses Ausdruck, was die L.er wiederum von den erotischen Liedern unterscheidet, in denen es um die leibliche Liebe als Ausdruck der Geschlechtlichkeit des Menschen geht. Die Grenzen sind allerdings fließend. Historisch reicht das volkstümliche L. in Österreich von barocken Gesellschaftsliedern über das Biedermeierlied und alpenländische Gstanzln bis zu Neuschöpfungen im Umkreis von Mundartdichtung und Chorpflege. Häufig sind oberschichtliche Einflüsse, merkbar z. B. in den unverkennbaren Nachwirkungen des Minnesangs (z. B. Vogel als Liebesbote, Herzensschlüssel, Farbsymbolik, Tagelied u. a.). In Österreich machen einen Großteil der L.er „Gstanzllieder“ aus, bei denen atmosphärisch zusammenpassende Schnaderhüpfel assoziativ aneinandergereiht werden und so mehr oder weniger dauerhafte Verbindungen eingehen und zu Liedern werden.

Literatur

Autorin

  • Gerlinde Haid

Letzte inhaltliche Änderung

14.3.2004

Empfohlene Zitierweise

Gerlinde Haid, Art. „Liebeslied“ (14.3.2004), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d789 (abgerufen am )

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