Knaffl-Lenz (geb. Knaffl), Johann Nepomuk Felix

* 14.1.1769 Klagenfurt, † 25.9.1836 St. Veit an der Glan/K

Beamter, Volkskundler

Nach dem frühen Tod (1784) seines Vaters Alban Knaffl, Lotterieeinnehmer und Pfleger des Benediktinerstiftes St. Paul im Lavanttal, heiratete die Mutter den Professor für Metaphysik und Logik am Klagenfurter Lyzeum Heinrich Lenz, der ihn adoptierte. K. nannte sich fortan Knaffl-Lenz, auch seine Nachkommen übernahmen diesen Familiennamen. 1794 heiratete er in erster Ehe Anna Poschinger, Tochter eines Triestiner Kaufmannes, mit welcher er acht Kinder hatte. Im selben Jahr wurde Knaffl-Lenz Hofrichter in Eberndorf/K, 1796–99 war er k. k. Kontrollor der Kameralherrschaft Thurnisch (Turnišče/SLO) im Bezirk Pettau (Ptuj/SLO), 1800–02 Verwalter und Ortsrichter der Herrschaft Lind bei Zeltweg/St und 1803–08 Verwalter der Herrschaft Freystein bei Unterpulsgau (Spodnja Polskava/SLO) im Bezirk Windisch-Feistritz (Slovenska Bistrica/SLO). 1808–16 war Knaffl-Lenz als Kameralverwalter in Fohnsdorf/St tätig, wo er 1813 den Versuch einer Statistik vom kameralischen Bezirke Fohnsdorf im Judenburger Kreise verfasste, heute bekannt als „Knaffl-Handschrift“ (publiziert von V. Geramb 1928), in der erstmals das Wort „Volkskunde“ verwendet wurde. Sie wurde mit 15 Bildern des Malers Johann von Lederwasch (1755–1827) illustriert und enthält u. a. Beschreibungen von Bräuchen und Volksschauspielen sowie mit Noten versehene Tänze und Lieder, was auf eine musikalische Ausbildung des Autors schließen lässt. Diese statistische Landesaufnahme, eine hervorragende volkskundliche Quelle, war 1811 von Erzherzog Johann initiiert worden; Knaffl-Lenz gab an, schon an seinen früheren Wirkungsorten volkskundliche Aufzeichnungen gemacht zu haben. 1817 war Knaffl-Lenz k. k. Oberbeamter in Griffen/K, 1818–27? in Maria Saal/K. In zweiter Ehe war er mit Katharina von Koller aus St. Veit an der Glan verheiratet. Knaffl-Lenz, der auch archäologische Interessen hatte und gerne Kustos eines Antikenmuseums geworden wäre, war Mitglied der Kärntner Ackerbaugesellschaft und der Steirischen Landwirtschaftsgesellschaft und um die Fortbildung der bäuerlichen Jugend bemüht.

Schriften

  • Johann Felix Knaffl, Versuch einer Statistik vom kameralischen Bezirke Fohnsdorf im Judenburger Kreise, Fohnsdorf 1813 (Steiermärkisches Landesarchiv, Göth’sche Serie, HS 580), teilweise gedruckt als Die Knaffl-Handschrift. Eine obersteirische Volkskunde aus dem Jahre 1813, hrsg. von Viktor von Geramb, Berlin 1928 (Quellen zur deutschen Volkskunde 2)
  • Johann Felix Knaffl-Lenz, „Uiber die Benennung des Faschings. Nebst einigen Faschingsgeschichten“, in: Carinthia 5 (1818), [2–4]

Literatur

  • Die Knaffl-Handschrift. Eine obersteirische Volkskunde aus dem Jahre 1813, hrsg. von Viktor von Geramb, Berlin 1928 (Quellen zur deutschen Volkskunde 2)
  • Art. „Knaffl-Lenz, Johann Nepomuk Felix“, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 3, Wien 1965, 430
  • Joseph M. Müller-Blattau, „Österreichische Volksmusik in der Knaffl-Handschrift“, in: Festschrift zum zehnjährigen Bestand der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz, hrsg. von Otto Kolleritsch und Friedrich Körner, Wien 1974, 170–184
  • Max Rosenzopf, Die Knaffl-Handschrift (1813). Ein Spielbuch, Köflach [1989]
  • Birgit Stolzenburg, „Das Hackbrett in Johann Felix Knaffls Schilderung von 1813“, in: Sänger & Musikanten 50/3 (2007), 160–163
  • Wolfgang Suppan, Art. „Knaffl Johann Nepomuk Felix“, in: Wolfgang Suppan, Steirisches Musiklexikon, Graz ²2009, 356f
  • Reinhard Uhl, „Die Knaffl-Handschrift. Eine obersteirische Volkskunde aus dem Jahre 1813“, in: Der Vierzeiler 29/2 (2009), 17–20
  • Thorsten Schwarz, Art. „Knaffl, Johann Nepomuk Felix“, in: LiedSammlerVolk. Volksliedsammler und -sammlerinnen in der Steiermark, hrsg. von Helmut Brenner u. a., Graz 2016, 115–118
  • E[lisabeth] Stadler, Art. „Knaffl-Handschrift“ (16.9.2009), in: Austria-Forum, https://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Musik-Lexikon/Knaffl-Handschrift (mit Abbildungen von Johann von Lederwasch) (13.4.2026)
  • Sterbebuch der Pfarre St. Veit an der Glan 1835–50, fol. 11
  • eigene Recherchen

Abbildungen

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

16.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Knaffl-Lenz (geb. Knaffl), Johann Nepomuk Felix“ (16.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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