Die genauen Geburts- und Sterbedaten dieses tschechischen Musikers sind unbekannt. Er kam 1843 nach Belgrad. 1843–58 gab K. in Belgrad privat Klavierunterricht und trat als Pianist auf. Er komponierte Salonmusik für Klavier, in die er häufig serbische Lieder integrierte (Belgrader Katharinen-Quadrille; Bissenia. Fantasie-Polka; Warum kämpfen meine Gedanken. Chant Serbe varié pour le Piano). K. sammelte und notierte systematisch serbische Volksmelodien. In Wien, wo er sich nachweislich aus dem böhmischen Solnitz (Solnice/CZ) kommend, Ende September 1850 aufhielt, veröffentlichte er im Verlag von Heinrich Friedrich Müller zwei Bände mit serbischen Melodien, die von ihm für Klavier bearbeitet wurden: Serbische Melodien. Sammlung von National-Liedern und Tänzen (1850 und 1852), gewidmet Prinzessin Kleopatra Karađorđević, der Tochter des serbischen Fürsten. Beide Sammlungen enthalten insgesamt 43 Lieder sowie Vorworte auf Serbisch, Französisch und Deutsch. Darin legt der Autor seine Auswahlkriterien dar, beschreibt Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Liedern sowie zwischen Liedern mit fremden Einflüssen und authentischer Volksmusik. Ein Rezensent der Wiener Zeitung bezeichnete die Melodien in Band 1 als „Lieder ohne Worte“ (Wr. Ztg. 15.10.1850, 15) und sah auch Einflüsse u. a. von Domenico Cimarosa und Ch. W. Gluck (Iphigenie en Tauride). Im zweiten Band fügte K. über die Klavierstimme die Texte in serbischer und deutscher Sprache ein. Neben den veröffentlichten Sammlungen hinterließ er zwei weitere Bände im Manuskript, die jedoch nie gedruckt wurden. Diese Manuskripte verschwanden während des Ersten Weltkriegs aus dem Archiv der Serbischen Königlichen Akademie. In einem Brief an C. A. Spina vom Juni 1865 erwähnte F. Kuhač, dass K. zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.
Werke
Klaviermusik (Belgrader Katharinen-Quadrille; Bissenia. Fantasie-Polka; Warum kämpfen meine Gedanken. Chant Serbe varié pour le Piano; Serbische Volksmelodien. Slg. v. National-Liedern u. Tänzen, H. I, H. II (online: https://viewer.onb.ac.at); Usklik Srba [Ruf der Serben]. Marche Nationale Serbe); Lieder (Pesma Sijatelne Gospodične Poleksije pri rastanku sa svoima svetlim Roditeljima 9. oktobra 1849 [Lied der strahlenden Fräulein Poleksija beim Abschied von ihren edlen Eltern am 9. Oktober 1849]).
Literatur
- V. Đorđević, Ogledi srpske muzičke bibliografije do 1914 [Studien zur serbischen Musikbibliografie bis 1914] 1969
- St. Đurić-Klajn, Istorijski razvoj muzičke kulture u Srbiji [Historische Entwicklung der Musikkultur in Serbien] 1971
- V. Tiefenthaler, Südslawische Ethnographie und Sprache in Wiener Sammlungen bis 1914. Mit besonderer Berücksichtigung von Josip Široki, Dipl.arb. Wien 2005
- D. Jeremić-Molnar, Srpska klavirska muzika u doba romantizma (1841–1914) [Serbische Klaviermusik in der Zeit der Romantik (1841–1914)] 2006
- V. Katalinić/S. Ries (Hg.), F. K. Kuhač. Korespondencija [Korrespondenz] II/1 (2022)
- Srbske novine 21.10.1850, 456
- Wr. Ztg. 25.9.1850, 14, 15.10.1850, 15
- Signale f. die musikalische Welt 50 (1852), 468, Fremden-Bl. 28.9.1850, [3]
Autorin
- Marijana Kokanović Marković
Letzte inhaltliche Änderung
26.11.2025Empfohlene Zitierweise
Marijana Kokanović Marković, Art. „Kalauz (Kalaus, Kallaus), Alojz (Alois)“ (26.11.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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