Ersten Geigenunterricht erhielt Gretler mit vier Jahren bei Großvater Ferdinand Gretler, der noch für Erzherzog Johann gespielt hatte, danach weiterer Geigen- und Gesangsunterricht. Ab 1896 war er Sängerknabe im Stift Admont: Musikunterricht bei P. V. Berger, Geigenunterricht bei Volksschuldirektor F. Rabl, Geiger im Orchester bei Stiftskonzerten, etwas später Unterricht in Bratsche, die er später lange in verschiedenen Grazer Streichquartetten spielte. Gretler besuchte die Lehrerbildungsanstalt in Graz, an der er später zum Leiter der Abteilung für Violine und erster Geiger im Quartett wurde. Nach Abschluss der Ausbildung 1906 wurde er Lehrer an der Volksschule in Vordernberg/St, wo er auch zehn Jahre lang den Gesangsverein leitete. Zudem gründete Gretler dort einen Frauenchor, ein Hausorchester und ein Streichquartett. Er organisierte zahlreiche Konzerte, in denen er auch eigene Kompositionen aufführte. Weiterer Geigenunterricht u. a. bei Direktor Karl-Paul Seifert an der Musikschule Leoben und bei M. Soldat-Roeger in Knittelfeld, 1919/20 Unterricht in Geige bei K. Krehahn und Theorie bei R. Mojsisovics-Mojsvár am Konservatorium in Graz. Ab 1922 unterrichtete er an der Grabenvolksschule in Graz, ab 1924 als Musiklehrer am Franz-Ferdinand Oberlyzeum; 1925 Lehramtsprüfung für Geige und Theorie an Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten. Gretler war damals auch Chormeister-Stellvertreter des Grazer Schubertbundes und 1926–29 Chormeister des Grazer Akademischen Gesangvereins. 1929–32 Studium der Kunstgeschichte, Pädagogik und Archäologie an der Universität Graz, ab 1933 Musikprofessor u. a. an der Bundeserziehungsanstalt Liebenau; aus politischen Gründen (Mitglied der NSDAP seit Mai 1933) 1945 aus dem Mittelschuldienst enthoben, im Ruhestand Mitglied im Grazer Philharmonischen Orchester und in einem reisenden Operettenensemble. Gretler vertonte über die Jahre hinweg viele Gedichte (u. a. Mädchengebet 1916, Sehnsuchtsland 1918, Zwischen heut und morgen 1918, Ich hab mein Herz in deine Hand gelegt 1919, Meine Sehnsucht, Verlöbnis, Herbsttag) von Ernst Goll (1887–1912). Zudem zeichnete er Tänze auf, die handschriftlich im Steirischen Volksliedarchiv aufliegen (HS 211).
Werke
Rund 200 Lieder für Gesang und Klavier, 70 Chöre, 25 instrumentierte Gesänge, Kompositionen für Geige und Klavier, Kirchenmusik, u. a. Die Vordernberger Lieder 1953, Steirische Tänze 1959, Die Chöre, Gesamtausgabe 1965, Die Rache des Geistes o. J., Bitte zu den Sternen, Graz o. J., Jahreszeiten des Lebens, Graz o. J., Freyensteiner Messe o. J.; Nachlass in der Musikuniversität Graz.
Literatur
- Wolfgang Suppan, Art. „Gretler Johann Paul (Hans)“, in: Wolfgang Suppan, Steirisches Musiklexikon, Graz 22009, 233
- Kayode Olugbenga, Art. „Gretler, Hans“, in: LiedSammlerVolk. Volksliedsammler und -sammlerinnen in der Steiermark, hrsg. von Helmut Brenner u. a., Graz 2016, 57–60
- Christian Teissl, „Hommage an Hans Gretler“ (2015), in: christianteissl.at (11.3.2026)
- Sängerschaft Gothia, www.gothia-graz.at (11.3.2026)
- National Archivs Catalog, A3340-MFOK: Nr. G0018, 2843 (https://catalog.archives.gov)
Abbildungen
Autorin
- Eva Maria Hois
Letzte inhaltliche Änderung
17.7.2026Empfohlene Zitierweise
Eva Maria Hois, Art. „Gretler, Hans (eig. Johann Paul)“ (17.7.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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