Gigler-Dongas (geb. Gigler), Hedi (eig. Ruth Sibylle Hedwig; Pseud. Medardus Moeller)

* 19.2.1923 Berlin, † 19.2.2017 Berlin (begr. in Wien)

Violinistin, Pianistin, Musikpädagogin, Autorin

Die Tochter der Komponistin G. von Zieritz und des Journalisten, Musikschriftstellers und Lyrikers Herbert Gigler (1895–1978) wuchs ab 1925 bei ihren wohlhabenden und kulturinteressierten Großeltern väterlicherseits in Graz auf. Großmutter Maria Gigler, geb. Kožar († 1939), selbst eine gute Pianistin, wollte aus ihr ein Wunderkind machen und förderte ihre Ausbildung in Klavier (ab vier Jahren) und Geige (ab fünf Jahren). Da ein Schulbesuch neben der intensiven musikalischen Ausbildung nicht möglich war, wurde sie vom einstigen Hauslehrer ihres Vaters, Wilhelm Gettwert, privat unterrichtet. Mit acht spielte sie ihre ersten Konzerte. Violinunterricht erhielt sie zuerst ebenfalls privat, dann am Konservatorium des Steiermärkischen Musikvereins, beides bei K. Krehahn, der schon ihren Vater und auch dessen Schwester Elfriede unterrichtet hatte, zumindest im Sommer 1933 auch bei J. v. Hubay und ab ca. 1936 bei M. Soldat-Roeger, die ihr zum Vorbild wurde. Das von ihrer Lehrerin oft gespielte Violinkonzert D-Dur op. 77 von J. Brahms wurde auch von Gigler-Dongas häufig aufgeführt. Ab 1939 studierte Gigler-Dongas in Berlin an der Hochschule für Musik Klavier bei Carl Adolf Martienssen, Violine bei Gustav Havemann und Komposition bei Paul Höffer, konzentrierte sich dann aber auf die Violine und nahm ein Jahr lang (1941/42) bei E. Morawec an der damaligen Reichshochschule für Musik in Wien und 1942–44 bei Georg Kuhlenkampff in Potsdam/D Unterricht. Sie beendete ihr Studium bei J. Marx in Wien, den sie seit Kindheit kannte, da er häufig Gast im Haus der Großeltern gewesen war. Gigler-Dongas war Preisträgerin mehrerer internationaler Wettbewerbe, machte Einspielungen für den Rundfunk, unternahm Konzertreisen bis nach Südamerika und konzertierte immer wieder in Österreich, wovon zahlreiche Zeitungsberichte zeugen; sie setzte sich auch für die Aufführung zeitgenössischer Kompositionen ein. Bei einem Violinabend in Wien im Jänner 1947 wurden der als Wienerin bezeichneten „temperamentvolle[n] Musikantin“ u. a. „brillante Rhythmik und technische Sauberkeit“ (Peter Lafite) zugeschrieben. Ihre „brillante Technik“, die „geradezu schlangenhafte Elastizität“ der beiden Hände, einen „ganz persönliche[n] Ton“ und die „tieferfühlte Werkauffassung“ lobte auch Oswald Lutz 1950. 1943/44 unterrichtete sie an der „Staatlichen Hochschule für Musikerziehung in Graz-Eggenberg“, 1945 am Kärntner Landeskonservatorium in Klagenfurt und in den 1950er Jahren am Bergischen Landeskonservatorium Wuppertal/D. Gigler-Dongas entwickelte eine eigene Geigen- und „Körperschule“, die sie „Orthokinetik“ bzw. „Autognosie“ nannte und die sich u. a. mit gesunder Haltung, Atmung, dem Körpergedächtnis beim Üben und dem Einklang von Musiker:in und Instrument beschäftigte. Sie verfasste mehrere musikalische Beiträge, arbeitete zuletzt an einem Buch über J. Brahms, schrieb aber auch humoristisch-kritische musikalische Glossen, die unter Pseudonym u. a. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wurden. 1949 war sie freie Mitarbeiterin beim Südwestfunk in Baden-Baden/D. Gigler-Dongas war von 1963 bis zu dessen Tod 1979 mit dem griechischen Arzt Perikles Dongas (* 1902) verheiratet und lebte zeitweise in Athen. Ihr Nachlass befindet sich in der Steiermärkischen Landesbibliothek.

Ehrungen

  • vierter Platz beim Internationalen Musikwettbewerb „Marguerite Long Jacques Thibaud“ in Paris 1946
  • Preisträgerin beim internationalen Wettbewerb in Genf/CH 1948
  • zweiter Platz beim Internationalen Musikwettbewerb in Scheveningen/NL 1948
  • sechster Platz beim „Concours Reine Elisabeth“ in Brüssel 1951
  • zweiter Preis beim Wettbewerb „Marguerite Long Jacques Thibaud“ in Paris 1951
  • erster Preis beim Internationalen Musikwettbewerb in München 1952

Schriften

  • Hedi Gigler-Dongas, „Symbolism of the Cosmic Triad in Bach’s Chaconne“, in: The Bach Chaconne for Solo Violin. A Collection of Views, hrsg v. Jon F. Eiche, Bloomington 1985, 94–107
  • Hedi Gigler-Dongas, „Der Ruf nach dem wahrhaft modernen Lehrer“, in: Das Orchester. Zeitschrift für Orchesterkultur und Rundfunk-Chorwesen 43/7–8 (1995), 27
  • Hedi Gigler-Dongas, … Und bißchen Klavier … In dankbarer Erinnerung und unwandelbarer Verehrung im Gedenken an Carl Adolf Martienssen, den großen Klavierpädagogen und Freund seiner Schüler, Berlin 1995
  • Hedi Gigler-Dongas, Bewußte Haltung und Atemführung als Macht, Schutz und Trost. Workshop, gehalten anlässlich des 6. Internationalen Kongresses für Musikerkrankheiten und Musikphysiologie in Berlin, 16.−18. Oktober 1998 (Manuskript)
  • Hedi Gigler-Dongas, Großmama’s Wunderkind. Ein Bericht, Berlin 2002
  • Hedi Gigler-Dongas, Als ich Brahms’ Enkelschülerin wurde, [Berlin] 2017 (unvollendeter autographer Entwurf)

Literatur

  • Michaela Krucsay, „Das Netzwerk als Medium der Selbstverortung: Ego-Dokumente, Musikleben und Cultural Turn“, in: Drehscheibe Graz. Musikkulturelle Verbindungen im 19. Jahrhundert, hrsg. von Ingeborg Harrer, Graz 2022 (Neue Beiträge zur Aufführungspraxis 19), 29–43, v. a. 39–43
  • Michaela Krucsay, „Ein Hippokratischer Eid für die Musik. Beruf und Berufung in den Schriften der Violinistin Hedi Gigler-Dongas“, in: Schwerpunkt: Musik und Medizin, hrsg. von Maria Heidegger u. a., Leipzig 2022 (Virus. Beiträge zur Sozialgeschichte der Medizin 21), 177–194
  • Michaela Krucsay, „Nostalgie oder Entgrenzung? Graz als emotionales Bezugssystem bei Hedi Gigler-Dongas“, in: Musiker*innen und Musikleben in der Region – Identitäten, tracer und Ressourcen. Blickpunkte East Anglia, Kroatien, Österreich, Schweiz, hrsg. von Christa Brüstle, Graz 2023, 165–179
  • Neues Österreich 6.12.1946, 3
  • Wiener Kurier 14.1.1947, 3
  • Vorarlberger Nachrichten 9.6.1950, 3
  • Karl Grünberg, „Nachruf auf Hedi Gigler-Dongas (Geb. 1923): ,Nie wieder diese Geige‘“ (18.5.2017), in: Tagesspiegel <www.tagesspiegel.de> (4/2026)
  • Michaela Krucsay, Art. „Hedi Gigler-Dongas“ (05/2020), in: Künstler*innen des Monats, hrsg vom Zentrum für Genderforschung und Diversität <https://genderforschung.kug.ac.at> (4/2026)
  • Mitt. Archiv MUniv. Wien (25.9.1926)
  • eigene Recherchen

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

10.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Gigler-Dongas (geb. Gigler), Hedi (eig. Ruth Sibylle Hedwig; Pseud. Medardus Moeller)“ (10.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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