Gabrieli, Familie

Komponisten und Organisten

Andrea: * 1532/33 Venedig/Republik Venedig (Venezia/I), † 30.8.1585 Venedig. Komponist und Organist. Bewarb sich 1557 erfolglos um das Organistenamt an S. Marco, ist in den 1560er Jahren im Umkreis von O. di Lasso und des bayerischen Hofes zu finden (Lasso gilt auch als einer der Lehrer G.s). Auch während dieser Zeit hielt G. Kontakt zu S. Marco. Ab 1566 erhielt er von S. Marco eine jährliche Zuwendung und scheint den Organistenposten von A. Padovano übernommen zu haben. In den 1560er Jahren hatte G. nähere Kontakte zu Mailand, doch sind genaue Daten bislang nicht bekannt. G. hat durch sein umfangreiches Werk, das in zahlreichen Drucken eine große Verbreitung erfuhr, eine ganze Generation von Komponisten beeinflusst; v. a. ist der Einfluss seines Kompositionsstils auf die Produktion innerhalb der HMK Erzhzg. Karls von Innerösterreich in Graz bzw. jener Ferdinands von Tirol evident; letzterem widmete A. G. 1580 sein zweites Madrigalbuch.

Werke

Sacrae cantiones liber primus 1565; Primus liber missarum 1572 [Erhzg. Karl von Innerösterreich gewidmet]; Ecclesiasticarum cantionum 1576; Psalmi Davidici 1583; Concerti 1587; 7 Messen; zahlreiche Motetten; Psalmen und Hymnen; zahlreiche Madrigale (mehrere gedruckte Madrigalsammlungen 1566–89); Orgelwerke (Canzoni, Ricercare, Toccate [s. Tbsp.]); Chöre für dramatische Aufführungen.

Sein Neffe

Giovanni: * zw. 1554/57 Venedig?, † 12.8.1612 Venedig. Organist und Komponist. Wahrscheinlich von seinem Onkel ausgebildet, kam er nach Studienjahren bei O. di Lasso in München 1584 wieder in seine Heimatstadt zurück, wo er vorerst als Hilfsorganist C. Merulo vertrat. Nach dem Tod seines Onkels Andrea setzte er sich für dessen Werk ein und gab 1585 zahlreiche Stücke seines Onkels (ergänzt durch eigene) heraus. Im selben Jahr erhielt G. G. eine Anstellung als Organist der Scuola Grande di San Rocco, die er bis zu seinem Lebensende innehatte (die Dienste an S. Marco behielt er jedoch bei). G. G.s Ruhm verbreitete sich schnell, v. a. nördlich der Alpen, sodass zahlreiche Schüler aus dem österreichischen und deutschen Raum zu ihm nach Venedig kamen (z. B. A. Taddei, der nach der Lehrzeit bei G. G. Organist bei Erzhzg. Ferdinand [II.] in Graz wurde). G. G.s Einfluss auf die Kirchenmusikproduktion im österreichischen Raum an der Wende vom 16. zum 17. Jh. war groß, zumal die Ausgaben seiner Werke oftmals nachgedruckt wurden, nicht nur in Italien, sondern auch in großer Zahl im deutschsprachigen Raum.

Werke

Concerti [...] continenti musica di chiesa […] libro primo 1587; Sacrae symphonie 1597; Symphoniae sacra […] liber secundus 1615; zahlreiche Messteile (Kyrie, Gloria, Sanctus, Benedictus); Motetten; Madrigale; Canzoni (instrumental) und Sonaten; Orgelwerke (Canzoni, Ricercari, Toccate [s. Tbsp.]).

Literatur

Hörbeispiele

© 2004 Studio Weinberg, 4292 Kefermarkt
© 2004 Studio Weinberg, 4292 Kefermarkt

Autorin

  • Elisabeth Th. Hilscher

Letzte inhaltliche Änderung

25.4.2003

Empfohlene Zitierweise

Elisabeth Th. Hilscher, Art. „Gabrieli, Familie“ (25.4.2003), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x000208d5 (abgerufen am )

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