Franziskanermesse (Missa franciscana)

Messkompositionen für einstimmigen Chor, zwei Solostimmen und kleine instrumentale Besetzung im 17.–18. Jh.

Zur grundlegenden Charakteristik der F. in der Österreichischen (Wiener) Provinz des hl. Bernardin (Franziskaner) gehört auch die Vertonung der Antipest-Antiphone Stella Coeli extirpavit (an Stelle des Offertoriums) zusammen mit dem Messordinarium. Die Verbindung der Antiphone mit dem Ordinarium war im 17.–18. Jh. fest, diese Praxis wurde aber in den Nachbarprovinzen – mit Ausnahme der Marianischen – nur teilweise übernommen (viele als Sacrum Austriacum u. ä. bezeichnete Werke). In der Tirolerprovinz des Hl. Leopold wurde wiederum im 18. Jh. das Messordinarium sehr oft nur bis Ende des Sanctus vertont (manchmal auch ohne Hosanna und Benedictus), weil nach der Wandlung der Priester das Amt als stille Messe zu Ende zelebrierte, während an einem anderen Altar bereits ein neues Amt begann.

In der Entwicklung der F. kann man drei Stadien unterscheiden: 1. Die Missa choralis des 17. Jh.s war als „neukomponierte Gregorianik“ (sog. mensurierter Choral, bzw. cantus semifiguratus) streng einstimmig, fakultativ mit oder ohne Orgelbegleitung; 2. die Figuralmesse in der 2. Hälfte des 17. und am Anfang des 18. Jh.s war eine einstimmige Komposition (Missa concertata) im Stil „cum tubis et tympanis“, wobei zum einstimmigen Gesang des Mönchschors kurze Trompeten-Aufzüge gespielt werden konnten; 3. die Figuralmesse des 18. Jh.s in der Besetzung 2 Trompeten (und Timpani), oft auch „Kirchentrio“, zweistimmiger Chor (Canto und Basso) mit zweistimmigen Soli (meistens 2 Canti) und Orgel (anstatt der Trompeten wurden in den entsprechenden Tonarten Hörner, anstatt der Violini, selten zwar, Oboen verwendet) gehörte zu dem im 18. Jh. allgemein verbreiteten Typ der sog. Nummernmesse. Den vollen vierstimmigen Chor haben Franziskaner bis Ende des 18. Jh.s nie verwendet.

Das Repertoire der F. war im 17. Jh. noch zum Großteil für alle mitteleuropäischen Provinzen von Tirol bis nach Siebenbürgen gemeinsam. Den Kern bildeten Werke österreichischer Komponisten: Missa Viennensis des P. Eusebius Schreiner, Requiem von P. Qu. Himmer, eine Messe des Tiroler Franziskaners P. Eduard Panholzer (1628–90), Missa S. Antonii, Missa Tubicinalis bzw. Trombetalis u. v. a. Vom Anfang des 18. Jh.s an hat sich das Repertoire der F. immer mehr zur Selbständigkeit entwickelt. Zu den wichtigsten Komponisten der F. gehörten auch: in Tirol im 17. Jh. I. Müller, im 18. Jh. P. G. Negele, P. C. Anreither, P. Angelus Tschortsch (1676–1740), P. Meinrad Hauser (ca. 1698–1759) und P. U. Hauser, in der Wiener Provinz A. Damian, P. Engelbertus Katzer, P. Eugenius Windhaber und P. Angelus Gruber (alle im 18. Jh.), in der Marianischen Provinz P. Pantaleon Roškovský und P. G. Dettelbach.

Literatur

Autor

  • Ladislav Kačic

Letzte inhaltliche Änderung

18.2.2002

Empfohlene Zitierweise

Ladislav Kačic, Art. „Franziskanermesse (Missa franciscana)“ (18.2.2002), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0002087f (abgerufen am )

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