Catholisch Gesangbuechlein

Das erste katholische Kirchenliederbuch Österreichs

1588 in Innsbruck von Johannes Paur gedruckt (s. Abb.); Bearbeiter und Herausgeber unbekannt (der seit dem 19. Jh. kolportierte Name J. Regnart beruht auf reiner Vermutung). Das einzige überlieferte Exemplar liegt in der Musiksammlung der ÖNB in Wien (das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck verwahrt zwei Bögen eines Fragmentes von 1587, das vielleicht als Andruck zu verstehen ist). Es enthält zu 69 Liedern (darunter Christ ist erstanden) 57 einstimmige Melodien, ist zweifellos Teil eines vom Tiroler Landesfürsten Ferdinand II. initiierten und gegenreformatorisch motivierten Projektes zur religiösen Erziehung der Jugend (Schulordnung von 1586; Speculum catechismi 1588) und sollte zur Stärkung des katholischen Glaubens im ganzen Land beitragen. Auf die katechetischen Gesänge folgen Lieder für das Kirchenjahr von Advent bis Fronleichnam sowie in einem zweiten Abschnitt Marien-, Heiligen- und Trostlieder, Psalmen (u. a. die sieben Bußpsalmen) und schließlich Gesänge für Prozessionen und Wallfahrten (u. a. sieben Rufe). Das äußerst schlicht gestaltete Büchlein (ca. 9,5 x 7,5 cm, insgesamt 134 Bll.) bildet die Primärquelle für drei Lieder (z. B. Ave Maria, du Himmelskönigin), vier neue Texte, acht Melodien sowie einige Varianten. Seine Bedeutung liegt außerdem in der Funktion als Vorlage für eine Reihe von Drucken der Folgezeit, z. B. D. G. Corners Groß Catolisch Gesangbuech von 1631.

Literatur

Abbildungen

Autorin

  • Sonja Ortner

Letzte inhaltliche Änderung

18.2.2002

Empfohlene Zitierweise

Sonja Ortner, Art. „Catholisch Gesangbuechlein“ (18.2.2002), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x000207d6 (abgerufen am )

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