Bordun

Liegender Bass-(Basis-)ton

In der österreichischen Volksmusik ist die alte Praxis bordunierenden Musizierens, die in Ausläufern vermutlich bis ins 19. Jh. lebendig war, aber schließlich vollständig durch die Auskomponierung mit Bassbrechung abgelöst wurde, anhand von Musikinstrumenten, Bild- und Schriftzeugnissen dokumentiert. Insbesonders gehörten die B.instrumente Dudelsack und Drehleier durch das ganze Mittelalter auch in Österreich zu den wichtigsten Tanzmusikinstrumenten; es ist auch anzunehmen, dass die Fidel bordunierend gespielt wurde. Obgleich es nur wenige Notenaufzeichnungen mit konkreten Angaben zur bordunierenden Ausführung gibt (z. B. aus Maria Taferl/NÖ 1819), sind zahlreiche Melodien bekannt geworden, die offensichtlich aus der B.praxis kommen, wie dies anhand von Ländlermelodien untersucht wurde. Dabei konnte eine kontinuierliche Entwicklung von B.musik bis zur Musik mit bewegtem Bass festgestellt werden. B.musik ist dabei eng verknüpft mit Naturtonphänomenen wie dem 7. und 11. Oberton und mit einer charakteristischen Art zu diminuieren. Die „Reperkussionstechnik“ auf Dudelsack und Drehleier (wiederholtes Unterbrechen der Melodie durch die kurz angespielte tiefe Quinte, was dem Hörer ein Stakkato suggeriert) dürfte maßgeblich an der Ausbildung der „alpenländischen Melodik“ beteiligt gewesen sein. In dem derzeit (2000) zu beobachtenden „B.-Revival“ haben sich verschiedene Tänze und Weisen aus Österreich als „bordunfähig“ erwiesen.

Literatur

Autorin

  • Gerlinde Haid

Letzte inhaltliche Änderung

18.2.2002

Empfohlene Zitierweise

Gerlinde Haid, Art. „Bordun“ (18.2.2002), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f909 (abgerufen am )

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