In 2. Ehe (ab 1909) verheiratet mit A. Mildenburg; anlässlich des Todes Rich. Wagners 1883 hielt B. eine Rede beim Trauerkommers der Wiener Studentenschaft; zu dieser Zeit bekannt mit H. Wolf; nach Studienabbruch prägende Aufenthalte in Paris; 1890 Mitarbeiter der Freien Bühne in Berlin, nach Wien zurückgekehrt, wird er unermüdlicher Propagandist und Interpret neuer ästhetischer Strömungen (Naturalismus, Décadence, Impressionismus, Expressionismus, Heimatkunst). Dank seiner geschickten Positionierung im Kulturbetrieb (1894–99 Kulturredakteur und Mitbegründer der Wiener Wochenschrift Die Zeit, Theaterkritiker u. a. beim Wiener Tagblatt) wird er alsbald zur zentralen Figur der österreichischen Moderne; 1896 Führer der Gaea-Gesellschaft, die das Werk A. v. Goldschmidts international verbreiten sollte; 1906/07 Regisseur bei M. Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin; 1912 Übersiedlung nach Salzburg, 1922 nach München.
Vorerst deutsch-national, später Sozialist, wurde B. zunehmend österreich-patriotisch, bei gleichzeitiger Rückkehr zum Katholizismus; wobei ihm – neben der barocken Kultur – die Musik Österreichs als identitätsstiftende Kulturleistung galt (Identität). In den Inszenierungen G. Mahlers und A. Rollers sah B. die Synthese aller Künste im Sinne des Gesamtkunstwerks verwirklicht. Als Fürsprecher Mahlers lehnte er die Direktion F. Weingartners ab. In diese Zeit datiert B.s Bekanntschaft mit Musikschriftstellern, -journalisten, Sängern und Sängerinnen, u. a. mit A. v. Mildenburg, für die er auch als Berater tätig war. Sie weckte sein Interesse für die klassische Musik, besonders aber die Bayreuther Bestrebungen. Doch auch der zeitgenössischen Musik gegenüber war er aufgeschlossen: B. war u. a. mit R. Strauss bekannt und pflegte Kontakte zu Alban Berg, J. M. Hauer und A. Schönberg, den er unterstützte und bei dem er Unterricht nehmen wollte. B.s Auffassung von Musik ist stark von der zeitgenössischen Sprachskepsis geprägt: Musik erlaube auch die Darstellung der „Gefühlssinne“ und Stimmungen, also jener Bereiche, die jenseits des Verstandes liegen. Darin liegt auch die Vorstellung von Literatur als Musik begründet.
Ehrungen
- Großes Ehrenzeichen der Republik Österreich 1933
Schriften
Einleitung zu- Gesammelte Aufsätze über Hugo Wolf 1 (1898)
- Buch der Jugend 1908
- Summula 1921
- Sendung des Künstlers 1923 [darin Essays über Musik]
- Parsifalschutz ohne Ausnahmegesetz 1912
- gem. m. A. B.-Mildenburg, Bayreuth 1912 [auch auf engl.]
- Selbstbildnis 1923
- Tagebücher aus den Jahren 1909, 1918–26 unter versch. Titeln
- M. Csáky (Hg.), H. B., Tagebücher – Skizzenbücher – Notizbücher (1885–1908), 1994ff.
- Meister und Meisterbriefe um H. B., ausgewählt und eingeleitet von J. Gregor 1947
- L. Mayerhofer/K. Ifkovits (Hg.), H. B. Mittler der europäischen Moderne, 1998
Literatur
- D. G. Daviau, Der Mann von Übermorgen. H. B. 1984
- H. Kindermann, H. B. 1954
- R. Farkas, H. B. 1989
- St. Kohler in M. Dietrich (Hg.), [Kgr.-Ber.] H. B. Linz 1984, 1987
- Jb. des Adalbert Stifter Instituts 5/1998, 2001
- G. E. Schmidt, Ehrenzeichen und Orden im Österreich der Zwischenkriegszeit 1918–1938, 1994
Abbildungen
Autor
- Kurt Ifkovits
Letzte inhaltliche Änderung
19.1.2023Empfohlene Zitierweise
Kurt Ifkovits, Art. „Bahr, Hermann“ (19.1.2023), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f7bb (abgerufen am )
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