Der Sohn eines Webers erblindete als Säugling und wurde 1816–22 im K. k. Blindeninstitut in Wien ausgebildet, wo seine besondere musikalische Begabung gefördert wurde. Am 1.11.1832 kam er in die Versorgungs- und Beschäftigungsanstalt für Blinde, setzte seine Musikstudien fort und erlernte zahlreiche Instrumente. Ab 1843 erhielt er Violinunterricht von M. Durst und trat dreimal öffentlich als Geiger auf. Ab etwa 1837 war Z. Leiter eines Blindenorchesters, das auf Bällen spielte und u. a. 1844 im Theater in der Josefstadt auftrat. Am 1.2.1849 heiratete er die Kleidermacherin Sophia Stephansky (get. 16.2.1818 Wien, † 19.6.1873 Wien), als Berufsbezeichnung ist „besteuerter Musikus“ angegeben. 1850 unternahm er mit seiner aus blinden Musikern zusammengesetzten Kapelle eine Konzertreise nach Salzburg und München, nach der Rückkehr Anfang 1851 sorgte er mit dieser bis zumindest 1866 regelmäßig in verschiedenen Etablissements in und um Wien (u. a. Neulerchenfeld [Wien XVI], Hernals [Wien XVII], Prater [Wien II], Favoriten [Wien X], Mödling) für Tanzmusik. Ab 1853 war Z. darüber hinaus am Wiener Blindeninstitut Musiklehrer, unterrichtete Harfe, ab 1859 sämtliche Blas- und Streichinstrumente. Außerdem Leiter des Musik-Chors der Blinden. Z. soll ein hervorragendes musikalisches Gedächtnis besessen haben, das es ihm u. a. ermöglichte, große Orchesterwerke für seine Kapelle zu arrangieren und die Einzelstimmen mit den jeweiligen Musikern einzustudieren. Bei seinem Tod wird er als „Musikdirector im Blinden Institut“ bezeichnet.
Ehrungen
- Ehrenmitglied des Münchener Musikvereins.
Werke
2 Ouvertüren; Tanzmusik (Walzer Neuester Ausbruch der Tonkunst zur Stütze des Frohsinns 1838, Pelissier-Marsch, Salon-Polka 1855, Vereins-Walzer 1858); Kammermusik; Lieder; Tantum Ergo.
Literatur
- Wurzbach 59 (1890)
- A. Mell, Gesch. des kaiserl. königl. Blinden-Erziehungs-Institutes in Wien 1804–1904, 1904
- Wr. Theater-Ztg. 10.12.1847, 3
- Neues Wr. Tagbl. 3.4.1871, [6]
- Bll. für Musik, Theater und Kunst 31.3.1871, 104
- Wr. Ztg. 17.2.1838, 253, 31.7.1847, 1658, 13.4.1865, 163
- Fremden-Bl. 6.2.1851, [4], 4.10.1855, [16], 7.5.1856, [5], 14.2.1858, [8]
- WStLA (TBP 1871)
- Taufbuch der Pfarre Reindorf (Wien XV) 1814–24, fol. 95
- Trauungsbuch der Alservorstadtpfarre (Wien VIII) 1840–50, fol. 392
- Sterbebuch Altlerchenfeld (Wien VII) 1873–83, fol. 28
- eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at)
Autor:innen
- Christian Fastl
- Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
17.12.2020Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Monika Kornberger, Art. „Zakreis, Thomas“ (17.12.2020), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x00298299 (abgerufen am )
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