Der Sohn eines Hauptmanns kam 1866 nach Wien, erhielt Klavierunterricht bei Richard Löffler und studierte 1880–82 am Konservatorium der GdM (Musiktheorie bei F. Krenn). Er war zuerst Kapellmeister verschiedener Männerchöre, bevor er 1886–89 als Musiklehrer an der Militär-Oberrealschule in Mährisch Weißkirchen (Hranice/CZ) tätig war. Nach Wien zurückgekehrt, war er 1889–1908 Korrektor der Notenstecherei Waldheim-Eberle und 1908–31 Redakteur der Universal Edition (UE). Darüber hinaus war er auch als Organist und Kirchenchorleiter (Kalvarienbergkirche und Redemptoristenkirche Hernals [Wien XVII]), Musiklehrer (1896–1922 an der Evangelischen Mädchenfortbildungsschule in Wien IV) und Dirigent (1899/1900 der Wiener Singakademie) tätig. 1913–34 war er Redakteur der Kirchenmusikzeitschrift Musica divina. In seinen Kirchenmusikkompositionen bemühte sich W. um eine Verbindung der liturgischen Anforderungen des Cäcilianismus mit einer zeitgenössischen, an A. Bruckner - mit dem er persönlich bekannt war - geschulten Tonsprache. Er war Mitbegründer der Schola Austriaca (Vereinigung österreichischer Kirchenmusiker mit dem Ziel, die Kirchenmusik im Sinne des Motu proprio von 1903 zu fördern). 1948 wurde in Wien eine (offenbar nur kurzlebige) W.-Gemeinde ins Leben gerufen.
Gedenkstätten
- ehrenhalber gewidmetes Grab am Hernalser Friedhof (Wien VII, s. Abb.)
- Gedenktafel an seinem Wohn- u. Sterbehaus, Geblergasse 52, Wien XVII
Ehrungen
- wirkendes Mitglied der Ges. zur Herausgabe der Denkmäler der Tonkunst in Österreich 1925
- Prof.-Titel 1926
- Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1934
Werke
Kirchenmusik (s. Abb.; u. a. 16 Messen), Chöre, Lieder, Opern (Die Lenzlüge oder Um einen Talismann 1905 [T: Heinrich v. Korff u. E. Brasso], Flaviennes Abenteuer 1910 [T: Wilhelm Schriefer], Carmilhan [T: Ferdinand v. Ehrenfels; unaufgeführt]), Orchesterwerke (Suite, Symphonische Dichtung Sakuntala), Kammermusik; zahlreiche Bearbeitungen; Hg. u. a. f. die DTÖ sowie v. Werken A. Bruckners u. G. Mahlers (Klavierauszüge) f. die UE.
Schriften
- Dt. Meister des Liedes 1910
- Gustav Mahler, Das Lied von der Erde: thematische Analyse 1912
- Die Modulation 1920
- Meine persönlichen Erinnerungen an Anton Bruckner in Gregoriusbl. 56 (1932)
- weitere Aufsätze v. a. in Musica divina 1912ff
Literatur
- E. Romanovsky, J. V. v. W. als Messenkomponist,Diss. Wien 1952
- E. Romanovsky in Musica sacra 83 (1963)
- E. Romanovsky in SK 11 (1963/64)
- A. Weißenbäck in Chorbll. 4 (1949)
- MGG 14 (1968)
- NGroveD 27 (2001)
- Weissenbäck 1937
- Riemann 1961 u. 1975
- Müller-Asow 1929
- Baker 1984
- BrucknerH 1996
- F-A 1936
- F-A 2 (1978)
- ÖL 1995
- DBEM 2003
- F. J. Ewens, Lex. des dt. Chorwesens 1954
- Kosel 1902
- F. Gräflinger in Linzer Volksbl. 13.2.1934
- MGÖ 3 (1995)
- Wr. Ztg. 20.4.1948, 3
- Neues Österreich 29.6.1948, 5
Abbildungen
Autorin
- Barbara Boisits
Letzte inhaltliche Änderung
12.3.2025Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Wöss, Josef Venantius von“ (12.3.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e72b (abgerufen am )
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

