Wörle, Johann Konrad

* 2.8.1701Vils/T, † 2.12.1777 Rom

Orgelbauer

In Italien unter italianisiertem Namen (Johann Conrado Wörle oder Giovanni Corrado Verlé u. ä.). Eltern: Josef W., Bäcker, und Barbara, geb. Koller. Die früheste Nachricht über W. ist 1726 seine Reparatur der Orgel von Breitenwang (nahe Vils), errichtet 1709 durch Georg Ehinger aus Aitrang im Allgäu/D. Nach 1727 aktenkundig gewordenen Differenzen mit Ehinger, ohne Hinweis auf ein Abhängigkeitsverhältnis etwa als Mitarbeiter, ist W. als Orgelmacher im Jahr 1733 in Rom belegt, und zwar auf der Signatur eines Orgelpositivs (s. Werke). W. verblieb sein Leben lang in Rom, ledig und unterhielt hier eine eigene Werkstatt (Adresse heute: Piazza dell’Orologio 8). Er avancierte zu einem der bedeutendsten Orgelbauer Roms, schuf große Orgeln ebenso wie Positive, alle im Klang und handwerklich erstklassig. W. vereinte Charakteristika des Orgelbaus nördlich der Alpen (u. a. die Register Prinzipal, Kornett, Gedacktflöte 8’/Holz, Viola) mit eindeutig italienischen Komponenten (z. B. ein Manual, Pedal mit neun Tasten/alla siciliana, Register Voce umana). Sein einziger namentlich bekannter Schüler war Ignazio Priori (1748–1803), der den für Rom neuen Orgelbaustil seines Meisters noch beibehielt. Da W. bereits 1731 der Bruderschaft (Confraternità) della Beata Vergine Maria della Pietà in S. Maria in Campo Santo beigetreten war, wurde er auf dem Campo Santo Teutonico bestattet. Die von ihm schon 1766 selbst gestaltete Grabplatte mit der Abbildung eines für ihn typischen Orgelprospekts befindet sich noch heute vor Ort. Eine Verwandtschaft mit dem Orgelbauer I. F. Wörle ist derzeit (2014) nicht nachweisbar. Nicht zu verwechseln mit dem Geigenbauer Konrad Wörle (1697 Vils–1771 Wien).

Werke

(Auswahl, Jahreszahl = Fertigstellung, * = Positiv): 1) In Rom: Museo degli strumenti musicali (1733*), Provenienz?; S. Maria Maddalena (1735), reich verzierter Originalprospekt erhalten mit teils lebensgroßen Figuren sowie Putten, als Apotheose von Musik und Glaube (Orgelumbau von Enrico Priori [Enkel von Ignazio Priori] 1864, ersetzt durch Neubau Fratelli Ruffatti 1977); Conservatorio delle Zitelle di S. Giovanni in Laterano (ca. 1741/42*), nicht mehr vorhanden; S. Paolo alla Regola (1743), Orgel 1955 durch Neubau ersetzt; Oratorio del Crocifisso (1744*), rest./überholt von Alfredo Piccinelli 1979, definitiv restauriert nach 2000 von anderer Hand; S. Maria in Aracoeli, Cappella del SS. Sacramento (1752*), dort seit ca. 1830 (s. Abb.); S. Eusebio (anonym/zugeschrieben, vor 1765); S. Giuseppe alla Lungara (1767*), um 1980 betreut/überholt von Alfredo Piccinelli, Zustand derzeit [2011] gut; S. Eustachio (1767: grundlegender Umbau der 1747–49 errichteten Orgel v. Celestino Testa und Giuseppe Noghel), restauriert 2000 von Francesco Zanin (s. Abb.); S. Maria in Via (1768), nur Gehäuse erhalten; SS. Vincenzo ed Anastasio (1776), Umbau im 19. Jh., restauriert/Rückbau 2000 von Barthélémy Formentelli; Chiesa del [Istituto] Bambino Gesù, Via Urbana 7 (1777). – o. J., nicht mehr vorhanden: SS. Apostoli; S. Macuto/Confraternità di S. Ivo, Spätwerk; S. Maria in Campitelli, 1777 in Arbeit/unvollendet. 2) Außerhalb von Rom: Albaneto (Fraktion von Leonessa, Provinz Rieti/I), S. Nicola di Bari (1745*, organo ad ala/Prospekt asymmetrisch), dort seit 1955, rest. um 1970 von Alfredo Piccinelli, zuvor in Rom, ursprünglich S. Maria Maggiore, ab 1825 S. Giuseppe al Trionfale; Otricoli (Provinz Terni), S. Maria Assunta (1748), restauriert 2006 von Pietro Corna; Lugnano in Teverina (Provinz Terni), S. Maria Assunta (1756*), restauriert 2005 von Marco Laurenti, (s. Abb.); zuvor ebd. in S. Chiara; Leonessa (Provinz Rieti), Santuario di S. Giuseppe da Leonessa (1759), restauriert von Fa. Ars Organi (Geschwister/Fratelli Pinchi) 2008; Corté (Korsika/F), Église de l’Annonciade (1764), unter Denkmalschutz (Monument Historique) seit 1978, restauriert von Barthélémy Formentelli 1993; Supino (Provinz Frosinone), Santuario di S. Pietro e S. Cataldo (1765*); Poggio Mirteto (Provinz Rieti), S. Giovanni Battista (ca. 1765); Montecelio (Provinz Roma), S. Giovanni Evangelista (1769*); Monte Romano (Provinz Viterbo), S. Spirito (1775); Montefiascone (Provinz Viterbo), S. Bartolomeo/Seminario Barbarigo (1777); o. J.:Carpineto Romano (Provinz Roma), Cattedrale, Spätwerk, nicht mehr vorhanden.

Literatur

Abbildungen

Autorin

  • Hildegard Herrmann-Schneider

Letzte inhaltliche Änderung

29.3.2011

Empfohlene Zitierweise

Hildegard Herrmann-Schneider, Art. „Wörle, Johann Konrad“ (29.3.2011), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x00265206 (abgerufen am )

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