Wilhelmi, Petrus

* ca. 1392 Graudenz/Ostpreußen (Grudziądz/PL), † nach 1477 Schlesien

Geistlicher, Dichter und Komponist

Entstammte vielleicht deutschem Ritterstand, immatrikulierte sich 1418 an der Univ. Krakau (Kraków/PL), erwarb dort 1425 das Bakkalaureat und 1430 das Magisterium (beides also relativ spät) und wurde Kleriker der Diözese Kulm (Chełmno nad Wisła/PL). Er stand offenbar mit Repräsentanten der Basler Konziliarbewegung (zw. 1431/42) in Verbindung und war vielleicht auch persönlich in Basel/CH. Seine umfangreiche Dichtung Pontifices ecclesiarum richtet sich an Friedrich III. mit der Bitte um Unterstützung des Konzilsprogramms. In seinen meist ebenfalls politisch-aktuellen Cantionen und Motetten gibt er sich durch Text-Akrosticha („Petrus Wilhelmi de Grudencz“ o. ä.) zu erkennen. Aufgrund von deren Überlieferung hat man längere Zeit auf ein Leben allein im böhmisch-schlesischen Raum geschlossen, doch ist W. als Kapellan des Hzg.s bzw. K.s Friedrich (III.) nachgewiesen und mit diesem auch auf den Krönungsreisen von 1442 (Frankfurt am Main/D, Aachen/D) und 1452 (Rom) wahrscheinlich zu machen. Einzelne Kompositionen finden sich überdies in den Codices St. Emmeram, Trient 93 und 90, nicht aber Aosta. Sollte zutreffen, dass er auch als Schreiber des sog. Glogauer Liederbuchs in Frage kommt, könnte dies ein Alterswerk sein und er seinen Lebensabend im Augustinerkloster Grünberg (Ziela Góra/PL) verbracht haben.

Werke

Cantionen, Motetten, Rotula, einzelne Messsätze (einzelne NA.n bei Černý, WV bei Staehelin).

Schriften

  • Pontifices ecclesiarum (ca. 1440)

Literatur

Autor

  • Rudolf Flotzinger

Letzte inhaltliche Änderung

15.5.2006

Empfohlene Zitierweise

Rudolf Flotzinger, Art. „Wilhelmi, Petrus“ (15.5.2006), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x00034ce0 (abgerufen am )

Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.