Sohn eines Fabrikbesitzers. Nach dem Besuch des Untergymnasiums in Pest studierte er 1882–88 Violine bei S. Bachrich und J. Hellmesberger (d. J.), Theorie bei F. Krenn sowie Klavier und Musikgeschichte am Konservatorium der GdM. Es folgten kurzzeitige Studien in Paris bei Hubert Léonard (1819–90) und Camillo Sivori (1815–94) sowie in Berlin bei J. Joachim und Émile Sauret (1852–1920). Seine Konzertreisen führten ihn u. a. gemeinsam mit Anne Judic (1850–1911) und Carl Grienauer (1868–1915) durch Rumänien, die Türkei, Ungarn, Russland, Deutschland und Österreich. Mit E. Kerndl veranstaltete er 1893 eine Konzertreihe für neue und selten gehörte Werke im Ehrbaarsaal und konzertierte im selben Jahr als Violinist in St. Pölten und im Römischen Hof in Berlin. Zumindest 1894 schrieb er Kritiken für die Österreichische Musik- und Theaterzeitung. 1895 trat W. als Violinist zusammen mit der Sängerin Minnie Hubner (?–?), eine Schülerin G. Mahlers, im Musikverein auf. Bei einem Konzert C. M. Ziehrers im Ronacher 1896 wirkte er ebenfalls als Violinist mit. 1896/97 war er erster Konzertmeister des von Hans Winderstein (1856–1925) gegründeten Winderstein-Orchesters in Leipzig/D und daraufhin in gleicher Tätigkeit bei den Dortmunder Philharmonikern (1897/98) sowie bei einem Orchester zu Scheveningen/NL. 1898 konzertierte er abermals in Berlin und ging im Jänner 1899 gemeinsam mit der Sängerin J. v. Statzer und dem Pianisten Sally Liebling (1859–1909) auf Konzerttournee. Am 17.1.1899 heiratete er in Wien die Tochter eines Gesellschafters, Gabriela Emma Göbl (* 8.6.1873 Wien, † 19.11.1960 Wien). Im selben Jahr tourte W. mit einem eigenen Orchester durch Norwegen. Zumindest 1899/1900 unterrichtete er Violine am Konservatorium der Musik in Krefeld/D und trat 1900 bei einem Konzert des Duisburger Konservatoriums als Violinist auf. 1902–06 dirigierte er das Philharmonische Orchester in Greiz/D, ebendort gründete er 1905 eine MSch. Er verstarb bei einem Brückenunglück.
Ehrungen
- 1. Preis u. Silberne Gesellschaftsmedaille des Konservatoriums der GdM 1888
- Goldene Frenkano-Medaille f. Kunst u. Wissenschaft 1904
Literatur
- F. Jansa, Dt. Tonkünstler u. Musiker in Wort und Bild 21911
- NZfM 1912, H. 32, 457
- Österr. Musik- und Theaterztg. 1893, H. 1, 15, H. 9, 1f, H. 13, 4, 1894, H. 9, [11]
- Dt. Kunst- u. Musik-Ztg. 1893, H. 7, 93, 1896, H. 14, 182, 1899, H. 2, 16
- Signale f. d. musikalische Welt 1899, H. 44, 10, 1900, H. 11, 9
- Marburger Ztg. 8.1.1899, 4
- Leipziger Tagbl. u. Anzeiger 12.7.1896, 21
- Prager Tagbl. 15.3.1892, 17
- Dt. Volksbl. 17.1.1892, 8, 18.10.1893, 8, 22.10.1895, 10, 7.3.1896, 7
- Das Vaterland 15.3.1893, 6, 8.12.1893, 2, 1.11.1895, 10
- Reichspost 12.11.1895, 5
- NFP 20.11.1895, 14
- Berliner Tagbl. u. Handels-Ztg. 9.11.1898, 7
- Berliner Börsen-Ztg. 27.1.1894, 11, 28.1.1894, 7
- Dortmunder Ztg. 2.12.1897, 334, 14.1.1898, 13
- Trauungsbuch der Pfarre Schottenfeld (Wien VII) 1899, fol. 6
- Taufbuch der Pfarre Gumpendorf (Wien VI) 1873, RZ 548
- www.friedhoefewien.at (11/2022)
- https://de.findagrave.com/ (11/2022)
- eigene Recherchen (Jahresberichte des Konservatoriums der GdM; www.anno.onb.ac.at; www.deutsche-digitale-bibliothek.de)
Abbildungen
Autorin
- Karoline Hochstöger
Letzte inhaltliche Änderung
30.10.2023Empfohlene Zitierweise
Karoline Hochstöger, Art. „Wehle, Carl (Karl Josef, Josef Karl)“ (30.10.2023), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x003e027d (abgerufen am )
Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.

