Ältestes von drei Kindern eines jüdischen Kaufmanns aus Fertőboldogasszony/Ungarn (Frauenkirchen/Bl). Geigenausbildung (nicht am Konservatorium der GdM). Angeblich ehemaliger Konzertmeister bei F. Lehár; 1909 Auftritt mit eigener Salonkapelle. Am 27.4.1911 offizielle Namensänderung auf Virág. 1912 Plattenaufnahme als Leiter der Ronacher-Kapelle (Lehárs Marsch Pariser Pflaster aus dessen Operette Eva), um 1913 lebte er in Berlin. Kriegsdienst im IR Nr. 4 Hoch- und Deutschmeister, wo er aufgrund psychischer Probleme für dienstuntauglich erklärt wurde. Im Mai 1916 spielte er mit eigener Kapelle in Wien, davor war er möglicherweise mit seiner Kapelle in Berlin. 1917 bearbeitete er gemeinsam mit G. Geiger die Musik von K. Kreutzer zu einer Illustrationsmusik für den Stummfilm Der Verschwender nach F. Raimund, die richtungsweisend für die späteren österreichischen Filmmusiken wurde. Mit Geiger leitete er die Kapelle V.-Geiger, mit der er ab Jänner 1918 in der Femina und ab Mai im Kabarett Kasino im Prater (Wien II) engagiert war. Ab August 1919 Engagement im Café Eduard Sacher mit einem neu gegründeten Quartett (mit Georg Pawel [V.], Josef Reichl [Va.?] und Karl Massarik [Vc.]), das als Wiens Meisterquartett O. V. beworben wurde und mit dem er auch ein Gastspiel außerhalb Wiens bestritt. Dazu kamen Auftritte als Kapellmeister, zumindest bis Ende 1920 mit eigener Kapelle, sowie als Solist in verschiedenen Wiener Bars, in denen er mit seinen „schwermütigen ungarischen und slawischen Weisen“ (Neues Wr. Journal 20.2.1927, 24) das Publikum berührte. 1920–24 bildete er mit dem Pianisten Oskar Steiner ein Duo, mit dem er u. a. in der Orientbar der Hölle, der Herrenhofbar, im Leopoldi-Wiesenthal und ab 16.9.1923 (mit dem Sänger Oskar Neuhaus) in der von Max Glasel neu eröffneten Weihburg Bar engagiert war. Möglicherweise war V. schon von Beginn an Teilhaber der Bar, inseriert wurde er als Mitdirektor im Herbst 1925, danach verkaufte er seinen Anteil an Glasel. Bis 5.12.1925 ist er noch als Barmusiker, z. T. mit R. Erwin als Ersatz für Steiner, zuletzt in der Mary-Bar, belegbar. Wegen schwerer psychischer Probleme musste er zweimal in eine Nervenheilanstalt in Inzersdorf eingewiesen werden, wo er während seines zweiten Aufenthaltes verstarb. V. war seit 18.2.1923 mit Lizzi (eig. Karoline, geb. Marchart, * 12.11.1901 Wien, † 25.12.1973 San Francisco, CA/USA) verheiratet, die kurz nach V.s Tod aus dem Judentum austrat und 1929 in die USA auswanderte. Ihr Trauzeuge war O. Steiner.
Ehrungen
- Widmungsträger von G. Geigers Serenade für V. und Kl. Marquischen, horch!, op. 66
Werke
gem. m. O. Steiner Schlager Anjuschka (T: F. Löhner), Heute spielt der Uridil (T: R. Katscher/H. Leopoldi); Plattenaufnahme als Leiter der Ronacher-Kapelle 1912 (www.youtube.com).
Literatur
- K. Nowakowski in Ch. Glanz/M. Permoser (Hg.), Jazz Unlimited 2012, 91f
- M.-Th. Arnbom/G. Wacks (Hg.), Das Theater und Kabarett „Die Hölle“ 2010, 38
- Der Montag 21.2.1927, 3
- Neues Wr. Journal 20.2.1927, 24
- Neue Kino-Rundschau 28.7.1917, 9
- Deutschösterreichische Tages-Ztg. 15.9.1927, [7]
- Wr. Allgemeine Ztg. 22.5.1916, 3, 5.1.1918, 6, 11.9.1923, 8
- Neues Wr. Tagbl. 30.11.1909, [23]
- NFP 28.4.1918, 10, (Abendbl.) 3.11.1920, 4, 19.2.1927, 23
- Sportbl. am Mittag 30.8.1919, 8
- Neues 8 Uhr-Bl. 20.8.1919, 3
- Die Stunde 15.9.1923, 9, 29.9.1923, 10, 1.1.1925, 9, 13.9.1925, 6
- Dt. Reichsanzeiger und Königlich Preußischer Staatsanzeiger 25.6.1914, 11
- Geburtsbuch der IKG Wien I, J, 1883–84, RZ 3392
- www.familysearch.org (7/2025)
- eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; www.genteam.at; Jahrbücher des Konservatoriums der GdM)
Autorin
- Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
1.8.2025Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Virág (eig. Blumschein), Oskar“ (1.8.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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