Totenlied

Lied, das beim Tod eines Menschen anlässlich der häuslichen Totenwache von Verwandten, Bekannten und Nachbarn gesungen wird.

Bezeichnungen für die Totenwache sind „Wachten“, „Wachen“, „Nachtwachten“, „Leichhiatn“ (= Leichhüten), weshalb die dabei verwendeten Lieder auch „Wachtlieder“, „Wachlieder“, „Nachtwachterlieder“, „Leichhiaterliader“ genannt werden. Vielerorts ist die häusliche Totenwache mit dem Bau von Aufbahrungshallen abgekommen, wodurch auch die T.er weitgehend funktionslos geworden und verschwunden sind, doch wird etwa im Katschtal/K die in die Aufbahrungshalle verlegte Totenwache nach wie vor mit den überlieferten T.ern gestaltet. Die T.er werden entweder von allen Anwesenden gemeinsam gesungen oder von in diesem Genre besonders kundigen Personen, meist Frauen, vorgetragen. Die Aufführungspraxis ist häufig zweistimmig. Zu den eigentlichen T.ern gehören Abschiedslieder, auch Beurlaubungslieder genannt, Totentanzlieder, erzählende, belehrende und betrachtende Lieder zu Tod und Sterben, sowie Armenseelenlieder, doch werden bei der Totenwache auch andere geistliche und durchaus auch weltliche Lieder gesungen, etwa Lieblingslieder des Verstorbenen oder Lieder, die gerade in die Zeit passen, wie z. B. Weihnachtslieder. Eine Besonderheit stellen die Beurlaubungslieder dar, die dem Toten in den Mund gelegt sind und den Abschied von der Familie, den Verwandten und Bekannten beinhalten („Jetzt muss ich aus mein Haus, meine Hauswirtschaft ist aus...“). Die Melodien der T.er werden mündlich überliefert, während die Texte oft von den Sängern in eigenen Liederhandschriften gesammelt wurden. Viele Texte gehen auf Flugblattdrucke des 18. und 19. Jh.s zurück.

Literatur

Autorin

  • Gerlinde Haid

Letzte inhaltliche Änderung

15.5.2006

Empfohlene Zitierweise

Gerlinde Haid, Art. „Totenlied“ (15.5.2006), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0010f0bd (abgerufen am )

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