Thornton, Hans (eig. Johann Nepomuk)

* 20.4.1868 Urfahr/OÖ (Linz), † 13.7.1937 Wien

Pianist, Musikpädagoge

Sohn des Brauhaus-Verwalters Carl Th. und dessen Frau Anna Langeder. Sein Großvater und dessen Brüder waren aus England nach Österreich einwandert und hatten Baumwollspinnfabriken im Süden von Wien gegründet (Pottendorf/NÖ, Ebenfurth/NÖ, Münchendorf/NÖ). H. Th. war 1886/87 kurzzeitig Schüler des Konservatoriums der GdM (Violine, Kontrapunkt, Klavier), verließ dieses jedoch noch vor Ende des Studienjahrs. Danach soll er Klavierschüler von Th. Leschetziky („Virtuosenstudien“) gewesen sein, eigenen Angaben zufolge studierte er auch „Kompositionslehre“ (also Harmonielehre und Kontrapunkt) 1887–90 an der Univ. Wien bei A. Bruckner, was sich archivalisch bislang nicht belegen lässt. Weitere Ausbildung bei F. Krenn und E. v. Mandyczewski, Letzterem wurde er angeblich von J. Brahms empfohlen. Th. soll ab ca. 1887 als Musiklehrer tätig gewesen sein, anhand von Zeitungsberichten ist er ab 1898 als Lehrer für Klavier, Harmonie- und Kompositionslehre in Wien greifbar. Berichtet wird von den jährlichen Schülerkonzerten im Schweighofer-Saal oder Salon Ehrbar. Einen Schwerpunkt seiner Unterrichtstätigkeit hatte er im Spiel auf zwei Klavieren zu acht Händen. 1906/07 trat Th. gemeinsam mit Annie Bock, Fanni v. Moskowicz (1907: Karl Severin) und R. Réti als Klavierquartett Th. auf, wobei v. a. von ihm arrangierte Orchesterwerke für zwei Klaviere zu acht Händen zur Aufführung gelangten. Danach spezialisierte er sich v. a. auf die Bearbeitung von Orgelwerken J. S. Bachs für Klavier, die der dänische Pianist Karl Bernhard Philipsen in den Jahren 1911–22 in Dänemark, zahlreichen deutschen Städten, Wien und (1920) auch in Palästina zur Aufführung brachte. Th.s Schüler Franz Böck gab 1914/15 in Wien einige Konzerte, wo er ebenfalls dessen Bearbeitungen spielte, die zumeist unveröffentlicht blieben; nur einzelne Stück erschienen bei Bosworth & Co in Leipzig/D und Simrock in Berlin. Nach 1924 sind Nachrichten über den unverheiratet gebliebenen H. Th., der ab 1903 regelmäßig zur Sommerfrische in Kasten/NÖ war und auch ein großes naturwissenschaftliches Interesse hatte, rar. Ca. 1929 arbeitete er an einer musikpädagogischen Arbeit, die offenbar unveröffentlicht blieb.

Ehrungen

  • Ehrenmitglied der Kastener Musikgesesellschaft.

Werke

zahlreiche Bearbeitungen f. Kl., auch f. 2 Kl.e zu 8 Händen; darunter zahlreiche Orgelwerke und Das Wohltemperierte Klavier (f. den „Konzertvortrag“ eingerichtet) von J. S. Bach, aber auch Orchesterwerke, z. B. von E. Lendvai.

Schriften

Literatur

  • F. Planer (Hg.), Das Jb. der Wr. Ges. 1929
  • Neues Wr. Journal 19.4.1898, 7, 11.5.1899, 8, 19.4.1907, 8, 5.1.1909, 10
  • Dt. Volksbl. 13.5.1901, 11, 12.5.1902, 11, 20.9.1907, Abend-Ausg., 4
  • Wr. Sonn- und Montags-Ztg. 16.2.1903, 6
  • Neues Wr. Tagbl. 15.10.1904, 11, 15.4.1907, 10, 14.12.1907, 37, 26.7.1912, 11, 8.9.1912, 17, 24.9.1912, 15, 7.2.1915, 17, 14.2.1915, 21
  • Sport & Salon 22.10.1904, 12
  • NFP 30.5.1906, 12, 22.8.1909, 41, 22.6.1911, 13, 12.10.1913, 17, 8.5.1914, 13, 24.12.1914, 22, 3.4.1915, 16, 1.9.1924, 6
  • [Linzer] Tages-Post 7.2.1909, 9
  • St. Pöltner Bote 3.8.1911, 9, 23.9.1915, 10
  • Wr. Abendpost 10.1.1914, 4
  • Reichspost 19.3.1915, 11, 5.5.1920, 6, 25.4.1922, 5
  • Innsbrucker Nachrichten 16.7.1937, 6
  • Taufbuch-Duplikat der Pfarre Linz-Urfahr 1868
  • Trauungsbuch-Duplikat der Pfarre Linz-Urfahr 1867
  • Taufbuch der Pfarre Ebenfurth 1821–43, fol. 89
  • Sterbebuch des Alservorstadtkrankenhauses 1937 (Wien), fol. 188
  • eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at)

Abbildungen

Autor

  • Christian Fastl

Letzte inhaltliche Änderung

2.9.2022

Empfohlene Zitierweise

Christian Fastl, Art. „Thornton, Hans (eig. Johann Nepomuk)“ (2.9.2022), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x003da9e1 (abgerufen am )

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