Schleuniger

Ein im Salzkammergut heute (2005) noch üblicher rascher Paartanz, auch „Ålmerisch“, „Pfånnhauserisch“ (mit Bezug auf die im „Pfannhaus“ tätigen Salinenarbeiter) oder „Trapperl“ genannt

Er hat mit dem Ländler zwar einige Teile mit Paardrehungen und das Singen und Paschen gemeinsam, unterscheidet sich von diesem aber v. a. dadurch, dass die Tänzer eine Kette bilden, in der sie mit charakteristischen Stampfschritten typische Figuren laufen. Im Verlauf einer Hochzeit wird der Tanz gern dazu benützt, um mit der ganzen Kette aus dem Haus zu laufen und so die Braut zu entführen („Brautstehlen“). In der Sonnleithner-Sammlung von 1819 findet man solche Melodien unter dem Namen „Rußbacher Tänze“ aus Rußbach (Lammertal/Sb) mit dem Vermerk, dass die Bewohner dort „seit undenklichen Zeiten“ nach diesen Melodien zu tanzen pflegten, „wobey das erste Paar nach Willkühr verschiedene Figuren bildet, welche die – unter wildem Geschrey, Pfeifen und Stampfen – nachtanzenden Paare nachahmen und jede Tour mit einem Walzer enden“. Die ältesten erhaltenen Sch.-Melodien gehen auf das Jahr 1759 zurück, doch ist der Tanz sicher älter. R. Zoder vertrat sogar die Auffassung, dass die musikalische Form der ältesten Sch.n (Schleunigen) die in der 2. Hälfte des 18. Jh.s in Süddeutschland übliche Form des Deutschen Tanzes ist, aus dem sich im 19. Jh. durch Sonderentwicklung die neuere Sch.n-Melodie, der Steirische, der Landler und der Walzer (Schleifer) gebildet hätten. Melodisch verwandt sind dem Sch.n mit Schwegeln und Trommeln gespielte Schwerttänze und Schützentänze. Eine Reihe von handschriftlich erhalten gebliebenen Sch.n-Melodien für Geigen aus dem 19. Jh. zeigen altertümliche Züge wie Bordunanklänge, sechstaktige Perioden und Verwendung von ekmelischen Tönen. Grundrhythmus der Sch.n, die im 3/8- oder 3/4-Takt notiert werden, ist 1–3, wobei die 2 unbetont bleibt. Diesem Schema entsprechende Melodiemodelle wurden von den Musikanten vielfach diminuiert, vorzugsweise mit Synkopen und Gegenrhythmen. In den Schützentänzen haben sich Sch.n-Melodien zum 5/8-Takt entwickelt. Die Sch.n wurden – ebenso wie die Schwerttänze – schon früh als folkloristisches Kulturgut entdeckt und von den Salzleuten als Nebenverdienst hochgestellten Persönlichkeiten vorgeführt.

Literatur

Autorin

  • Gerlinde Haid

Letzte inhaltliche Änderung

15.5.2005

Empfohlene Zitierweise

Gerlinde Haid, Art. „Schleuniger“ (15.5.2005), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e0f5 (abgerufen am )

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