Raffele

Bezeichnung für ein einfaches Zitherinstrument

Der Name ist in Tirol gebräuchlich, wo das gleiche Instrument auch als „R.--Zither“, „Kratzzither“, „Kralzither“, „Scheitzither“ oder „Schlagzither“ bekannt ist, während es im Allgäu/D „Scherrzither“, in Vorarlberg „Zwecklzither“ und in Oberbayern/D (Werdenfelserland) „Scharr“ heißt. Die Namen spielen auf die charakteristische Spieltechnik des Hin- und Herschrapens über alle Saiten an. Das R. hat sich in den Ostalpen seit dem 17. Jh. aus dem schon bei Michael Praetorius 1619 als „Lumpeninstrument“ beschriebenen „Scheitholt“ entwickelt, das auf das Monochord zurückgeht und in Europa in einer Reihe regionaler Volksmusikinstrumente, von den Vogesen bis Ungarn, von Island bis Slowenien, nachlebt. Als das älteste erhaltene R. aus Tirol gilt ein Exemplar von 1675 aus der Umgebung von Brixen, gebaut in Form eines langen Rechtecks, bezogen mit 2 Melodie-, 2 Bordun- und 2 Schnarrsaiten und mit 14 diatonisch angeordneten Bünden. Später haben die meisten Instrumente einen einseitig ausgebauchten Resonanzkasten mit Stimmstock, Wirbelstock und Griffbrett, über den mehrere Metallsaiten (2–3 einfache oder doppelchörige Melodie- und mehrere Begleitsaiten) gespannt sind. Die Bundanordnung ist diatonisch, in Dur, plagal. Die Melodiesaiten werden mit den Fingern der linken Hand gegriffen oder mit einem Stöckchen an den Bünden niedergehalten, während die rechte Hand mit dem Daumen, einem Stäbchen, einem Plektron, einem Fischbein, einer Kuh- oder Geißklaue oder auch mit einem zugeschnittenen Stück Speckschwarte über die Saiten schrapt. Die Begleitsaiten sind auf Grundton, Quint, Oktave o. ä. gestimmt und ergeben einen Bordunklang. Es gab auch Zwillings- und Drillingszithern mit zwei bis drei eigenen Griffbrettern und den dazugehörigen Bordunsaiten für tiefere und höhere Lagen. Oft wurde auch ein eigener Wirbelstock für die „Trompeterln“ oder „Oktävchen“, die hohen Begleitsaiten, angebracht. Während unter den historischen Instrumenten keines dem anderen gleicht, hat sich heute eine Normierung durchgesetzt. Das R. wird mit 3 Spielsaiten (a’, a’, d’) und ohne Bordunsaiten bezogen, während die Scherrzither und die Scharr nach wie vor mit Bordunsaiten ausgestattet sind. Das Instrument diente einst vorwiegend solistisch zur Tanzmusik und Gesangsbegleitung und wird heute hauptsächlich in der Stubenmusik, oft mit Gitarrebegleitung, verwendet. Ein wichtiges Vorbild dafür war die berühmte musizierende „Engel-Familie“ (P. Engel) aus Reutte/T.

Literatur

Autorin

  • Gerlinde Haid

Letzte inhaltliche Änderung

15.5.2005

Empfohlene Zitierweise

Gerlinde Haid, Art. „Raffele“ (15.5.2005), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001de4f (abgerufen am )

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