Passionslied

Geistliche Volkslieder, die das Leiden Christi thematisieren (auch Kreuzweglieder oder Fastenlieder).

Sie erklingen bei Singbräuchen der Fastenzeit und besonders der Karwoche wie „Leiden-Christi-“, „Maschta-“ (= Marter-), „Grab-“, „Antlaß-Singen“, Kreuzweg- und Ölbergandachten, Fastenpredigten usw., wurden aber wegen des inhaltlichen Bezuges häufig auch bei Totenwachen verwendet. Viele waren ursprünglich zweifellos den einst zahlreich vorhandenen Passionsspielen zugeordnet und wurden durch Flugblattdrucke verbreitet. Ihre Entstehung geht auf die Zeit der Gegenreformation zurück, wo sie mit dem Ziel der Stärkung der Volksfrömmigkeit durch verschiedene Orden (v. a. Kapuziner, Franziskaner, Jesuiten) und Bruderschaften gepflegt wurden. Typische Ausformungen sind Dialoge zwischen Jesus und Maria, Betrachtungen der Kreuzwegstationen, Anklänge an Nachtwächterrufe sowie die beziehungsvolle Aufführungspraxis zu gewissen Tages- oder Nachtstunden an den entsprechenden „heiligen“ Plätzen, beruhend auf dem Gedanken der „passionis Christi compassio“, dem Mitleiden mit dem Leiden des Erlösers. Die von diesen traditionellen Formen zu unterscheidenden „Passionssingen“ als weihevoll-religiöse Veranstaltungen der Volksmusikpflege sind nach dem Vorbild der „Adventsingen“ in den 1960er Jahren an mehreren Orten in Österreich und Bayern entstanden.

Literatur

Kärntens Volksliedschatz A. Anderluh, 3

Autorin

  • Gerlinde Haid

Letzte inhaltliche Änderung

15.5.2005

Empfohlene Zitierweise

Gerlinde Haid, Art. „Passionslied“ (15.5.2005), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001dc67 (abgerufen am )

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