Meinong Ritter von Handschuchsheim, Alexius

* 17.7.1853 Lemberg/Galizien (L’viv/UA), † 27.11.1920 Graz

Philosoph, dilettierender Komponist

Studierte deutsche Philologie, Geschichte und Philosophie (bei F. Brentano) an der Wiener Univ. (Promotion 1874, Habilitation 1878), hier Privatdozent, 1882 ao. Prof., 1889–1920 o. Prof. an der Univ. Graz, gründete 1894 das Psychologische Laboratorium (als erstes österreichisches experimentalpsychologisches Institut). 1920 Gründer und Ehrenvorsitzender der Grazer Philosophischen Gesellschaft. M. begründete im Ausbau von Brentanos Auffassung von der Intentionalität psychischer Phänomene die „Gegenstandstheorie“ als eine von der empirischen Psychologie unabhängige Ontologie, die sich mit jenen Gegenständen beschäftigt, auf die sich zwar das Bewusstsein bezieht, die aber nicht erst von diesem geschaffen werden. Den vier Erlebnis-Hauptklassen (Vorstellen, Denken, Fühlen, Begehren) ordnete er entsprechend vier Gegenstands-Klassen zu (Objekte, Objektive, Dignitative, Desiderative). Zu seinen Schülern zählen der Gestaltpsychologe Christian von Ehrenfels und der Vertreter der psychologischen Ästhetik, Stefan Witasek.

Für die Musikwissenschaft ist M. wegen seiner Freundschaft mit G. Adler von besonderem Interesse. Aus gemeinsamen Gesprächen dürfte sich nämlich Adlers folgenreiche Zweiteilung der Musikwissenschaft in eine historische und systematische (Umfang, Methode und Ziel der Musikwissenschaft 1885) ergeben haben. Einige Schüler M.s arbeiteten zu musikpsychologischen Themen (darunter auch die Dissertationen der Komponisten A. Faist 1901 und J. Marx 1909).

Ehrungen

  • w. M. der Akad. der Wissenschaften 1914
  • Hofrat 1916

Werke

Klavier- und Kammermusik, Lieder, Chöre (Hss. am Institut für Musikwissenschaft der Karl-Franzens-Univ. Graz).

Schriften

Literatur

Autorin

  • Barbara Boisits

Letzte inhaltliche Änderung

14.3.2004

Empfohlene Zitierweise

Barbara Boisits, Art. „Meinong Ritter von Handschuchsheim, Alexius“ (14.3.2004), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d94a (abgerufen am )

Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.