Jeitteles, Adalbert

* 20.8.1831 Wien, † 28.2.1908 Graz

Lehrer, Bibliothekar, Germanist, Volksliedsammler und -forscher

Jeitteles war der Sohn des Schriftstellers und Professors der theoretischen Medizin Andreas Ludwig Jeitteles und Bruder des Zoologen und Prähistorikers Ludwig Heinrich Jeitteles Ab 1851 studierte er deutsche Philologie in Wien. Ohne vollständig abgeschlossene Lehramtsprüfung unterrichtete er ab 1855 an Gymnasien in Wien (Landstraßer Oberrealschule, Akademisches Gymnasium) und der Realschule in Troppau (Opava/CZ) Deutsch und Naturgeschichte. 1859 wurde er Hilfskraft an der Bibliothek des Ministeriums für Kultus und Unterricht, 1861 wechselte er als Sekretär an die Universitätsbibliothek Wien, 1867 wurde er Bibliotheksskriptor in Graz. Mit dem Ablegen seines Habilitationskolloquiums in Graz erlangte Jeitteles 1868 den Titel eines Privatdozenten für deutsche Sprache und die Befähigung, auch ohne Doktordiplom auf dem Gebiet der Germanistik zu lehren, war aber weiterhin vor allem als Bibliothekar tätig. 1871 wurde er in Innsbruck zum Vorstand der Universitätsbibliothek ernannt, jedoch erst 1874 zum Universitätsbibliothekar bestellt. 1881 trat Jeitteles in den Ruhestand, 1890 kehrte er nach Graz zurück und widmete sich hauptsächlich Untersuchungen und Publikationen zur älteren deutschen Philologie. Im Steirischen Volksliedarchiv gibt es mehrere Mappen mit Abschriften von Volksliedtexten aus steirischen Archiven sowie mit Aufzeichnungen nach mündlichen Angaben, die er etwa in Deutschfeistritz/St angefertigt hatte. Jeitteles verfasste auch theoretische Schriften über das Volkslied.

Schriften

  • diverse Beiträge u. a. für die Zeitschrift für österreichische Realschulen und Gymnasien, Wochenschrift für Wissenschaft und Kunst, Katholische Literatur-Zeitung, Augsburger Allgemeine Zeitung, Germania und Deutsche Universitäts-Zeitung
  • Adalbert Jeitteles, „Zur Charakteristik des deutschen Volksliedes in Steiermark“, in: Archiv für Literaturgeschichte 9 (1880), 356–404
  • Adalbert Jeitteles, „Beiträge zur Charakteristik des deutschen Volksliedes“, in: Zeitschrift für österreichische Volkskunde 3–4 (1897/1898), 257–269
  • hs. Aufzeichnungen im Steirischen Volksliedarchiv (HS 172, 295–300)

Literatur

  • Art. „Jeitteles, Adalbert“, in: Constant von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich 10 (1863), 116f
  • Art. „Jeitteles, Adalbert“, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 3/11 (1961), 94
  • Erich Leitner, Die neuere deutsche Philologie an der Universität Graz 1851–1954. Ein Beitrag zur Geschichte der Germanistik in Österreich, Graz 1973 (Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz 1), 68–72
  • Anna-Katharina Prisching, Art. „Jeitteles, Adalbert“, in: LiedSammlerVolk. Volksliedsammler und -sammlerinnen in der Steiermark, hrsg. von Helmut Brenner u. a., Graz 2016, 101–104

Abbildungen

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

16.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Jeitteles, Adalbert“ (16.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.