Franz Xaver sen.: * 29.10.1790 Steinbach (heute Großsteinbach/St), † 11.12.1861 Graz. Es ist nicht bekannt, wann er sich in Graz niedergelassen hat. Lt. Palfner soll er ein begabter Holzbildhauer gewesen sein, es gibt jedoch keine Angaben, bei wem er das Geigenbauhandwerk erlernt hat. 1828 suchte er um eine Geigen- und Lautengerechtsame an und legte am 17.12.1829 den Bürgereid ab. Er heiratete in diesem Jahr die aus St. Lambrecht stammende Theresia Sanitzer (* 1801), der Wohnsitz war Postgasse 169 (heute Stubenberggasse). Der Ehe entsprangen die beiden Söhne Wilhelm (* 1830) und Franz sowie die Tochter Anna (* 1834). 1842 übersiedelte er auf den Postplatz 169 (heute Andreas-Hofer-Platz).
H. baute Kopien nach Stradivari und Guarneri, die sich durch ausgewähltes Holz und einen schönen, rotbraunen Lack auszeichnen. Für die Qualität seiner Arbeit spricht, dass er zur Londoner Weltausstellung von 1851 ein Streichquartett einsandte. Palfner berichtet, dieses sei mit einer Goldmedaille prämiert worden, im Ausstellungsbericht ist jedoch nur die Teilnahme erwähnt. Angeblich bestellten sogar ausgewanderte Landsleute von Amerika aus bei H. Instrumente. Das Holzschnitzen betrieb er nebenbei weiter; zeitweilig beschäftigte er sich mit einem kleinen mechanischen Theater nach Art einer Marionettenbühne und schnitzte Weihnachtskrippen, die er auch ausstellte. H. fertigte darüber hinaus Gitarren, eine Bassgitarre befindet sich heute in der Sammlung alter Musikinstrumente (Wien, KHM).
Ehrungen
- Bronzemedaille der Grazer Industrie-Ausstellung 1841
- Silbermedaille bei der Wiener Gewerbeausstellung 1845
Franz jun.: zw. 27./29.5.1844 Graz, † 9.1.1874 Graz. Über ihn ist wenig bekannt; wie sein Vater hatte er die Werkstätte in der Grazer Postgasse. Er war ein guter Reparateur, hatte aber nur wenig Zeit, sein Talent zu entwickeln, da er bereits in jungen Jahren an Tuberkulose starb. Seine Werkstatt übernahm sein Schüler Heinrich Lippitsch († 1878).
Ehrungen
- Silbermedaille auf der Grazer Ausstellung 1870
Literatur
- W. Henley, Universal Dictionary of Violin and Bow Makers 1973
- K. Jalovec, Deutsche und Österreichische Geigenbauer 1967
- Lütgendorff 61975
- P. u. A. Mactaggart, Musical Instruments in the 1851 Exhibition 1986, 76
- StMl 2009
- ÖBL 2 (1959)
- A. M. Palfner in Grazer Tagbl. 9.3.1919
- StMl 1962–66
- R. Vannes, Dictionnaire Universel des Luthiers 1979
- Grätzer Ztg. 12.1.1835, 24, 2.7.1842, [20]
- Wr. Ztg. 7.7.1840, 32
- 12.7.1845, 1486
- Journal des Oesterr. Lloyd 17.8.1845, [5]
- Die Presse 19.10.1870, [16]. Archivalien: Stadtarchiv Graz, Registraturs-Indizes 1828, Zahl 5402/18/1828
- 1829, Zahl 8141/1/1829
- Bürgerbücher, Bd. 2, fol. 187r
- Anzeigezettel der Volkszählung 1857
- Stadtpfarre Graz, Geburtsmatrikenauszüge 1844, Zahl 52
- Taufbuch der Pfarre Großsteinbach 1784–1802, fol. 9
Autor
- Rudolf Hopfner
Letzte inhaltliche Änderung
25.4.2003Empfohlene Zitierweise
Rudolf Hopfner, Art. „Herzlieb, Familie“ (25.4.2003), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d147 (abgerufen am )
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