Herbert war die dritte der sieben Töchter des Industriellen Ignaz Joseph Freiherr von Herbert (1780–1856) und seiner Frau Theresie, geb. Perscha (1801–35); nach dem frühen Tod der Mutter wurden die Mädchen v. a. von einer Haushälterin erzogen. Ihr Onkel Franz Paul von Herbert (1759–1811), der Großvater Edmunds von Herbert, ebenfalls ein Bleiweiß-Fabrikant, war Mäzen und stand u. a. in Kontakt mit Immanuel Kant; sein philosophisch-literarischer Salon in Klagenfurt („Herbertkreis“) galt als Zentrum der Aufklärung in Kärnten. Kunst und Musik spielten in der Familie eine große Rolle; Herbert spielte Klavier und komponierte. In der Nacht des 26.9.1847 kehrte sie von einer nächtlichen Fahrt mit dem Ruderboot auf den Wörthersee nicht mehr zurück, auch ihr Leichnam wurde nicht gefunden, was Anlass zu Spekulationen gab. Vermutet wurden ein Unfall, Suizid oder das Verschwinden mit einem nicht standesgemäßen Liebhaber. Auf dem Pult ihres Klavieres wurde das von ihr verfasste Lied I tua wohl åls wånn ma nix war gefunden, das von einer unglücklichen Liebe erzählt. Es gilt als erstes Volks- bzw. Kärntnerlied in Moll und wurde im ersten Heft der ersten gedruckten Kärntner Volksliedsammlung in deutscher Sprache Kärnthnerische Volkslieder (1849–51) von E. F. v. Herbert veröffentlicht.
Gedenkstätten
- Gedenkstein bei der Pfarrkirche Maria Wörth
- Gedenktafel am Geburtshaus in Reifnitz 2007
Literatur
- Anton Kollitsch, „Erinnerungen zum ,Tag der deutschen Hausmusik‘ an Thomas Koschat, [Peter] Suppan, Mauritius Schitt, Ottilie v. Herbert und Johannes Brahms“, in: Kärntner Zeitung 14./15.11.1942, 6
- Anton Kollitsch, „Das schönste, aber traurigste Kärntnerlied“, in: Anton Kollitsch, Karntnalandl, mei liabs Hamatlandl. Eine musikalische Wanderung durch das Land der Lieder mit den Lebensschilderungen der Text- und Tondichter, Klagenfurt 1950, 13
- Johann Viertler, „Übers Kärntnerlied ,I tua wohl‘“, in: Die Kärntner Landsmannschaft 5 (1964), 9
- Klagenfurter Frauengeschichten. Frauengeschichtliche Stadtrundgänge als weibliche Spurensuche durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart, hrsg. vom Büro für Frauen, Chancengleichheit und Generationen, Magistrat der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee, Klagenfurt 2018, 24
- Geburtsbuch der Pfarre Keutschach/K 1807–28, fol. 124
- „Gedenktafel Ottilie von Herbert“, in: Juwelen unserer Kulturlandschaft, www.kleindenkmaeler.at (1.4.2026)
- Art. „Ottilie von Herbert“, in: Wikipedia, https://de.wikipedia.org (1.4.2026)
Abbildungen
Autorin
- Eva Maria Hois
Letzte inhaltliche Änderung
14.10.2026Empfohlene Zitierweise
Eva Maria Hois, Art. „Herbert, Ottilie Freiin von“ (14.10.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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