Die Tochter des jüdischen Fabrikanten Leopold G. und der Schriftstellerin Sidonie G.-Zerkowitz (1852–1907) erhielt 1896–1902 ihre Ausbildung am Konservatorium der GdM (drei Jahre Vorbereitung bei Th. Zamara, drei Jahre Ausbildung bei A. Zamara, Reifezeugnis mit vorzüglichem Erfolg). Im April 1902 Mitwirkung bei einem Konzert des Znaimer Musikvereins, den sie als Harfenistin unterstützte. Im Juli 1902 trat sie im Rahmen einer Abschlussaufführung des Konservatoriums der GdM auf. Von etwa September 1902 bis Mai 1905 als erste Frau überhaupt Orchestermitglied des Wiener Concert-Vereins (Wiener Symphoniker). 1903–05 Mitglied der Kapelle von Johann Müller, auch als Solistin. Im April 1903 trat G. in Kremsier bei einem Konzert der Concordia auf. Im Nachlass des Cellisten und Bankiers Emil Fickert (* 23.12.1870 Wien, † 18.6.1957 Wien) in der Musiksammlung der ÖNB befinden sich einige Schriftstücke G.s aus der Zeit 1904/05, die ihre damals rege Konzerttätigkeit belegen. Im Jänner 1906 wirkte sie noch bei der Präsentation von L. Grubers Wienerlied Mei Muatterl war a Wienerin mit, bald darauf dürfte sie sich in England niedergelassen haben. Am 6.10.1906 heiratete sie in Manchester/GB den Geiger Ludwig Andreas Kloo (* 27.4.1883 Wien, † 12.? 6.1929 Bregenz), der später nach Wien zurückkehrte und nach dem Ersten Weltkrieg als Kapellmeister tätig war. Möglicherweise leitete er bereits in England eine Kapelle, deren Mitglied G. war. Am 15.11.1907 brachte sie in Manchester Sohn Harold zur Welt. Nach der Scheidung von Kloo heiratete sie am 27.9.1910 in Zoppot/D (Sopot/PL) Franz Karl Paul Schmidt, mit dem sie zwei Kinder, Aida Edith (* 24.5.1909 Wiesbaden/D, † 13. auf 14.2.1945 Dresden/D) und Horst Waldemar Franz (* 5.8.1910 Zoppot, † 28.1.1979 Dresden) hatte. Die Familie ließ sich später in Dresden nieder und G. setzte ihre Karriere als Harfenistin fort. Zumindest 1915–17 Harfenistin der Hofkapelle Gera/D. Im Frühjahr 1922 konzertierte sie mehrmals in Oslo. Konzertreisen führten sie darüber hinaus u. a. nach Konstantinopel (Istanbul/TR), Budapest, Lemberg, Sofia und durch zahlreiche Städte Deutschlands. Im April 1925 nahm G. für Parlophon in Berlin einige Schallplatten auf. 1927 trat sie als Solistin im Breslauer, 1932 im Leipziger Rundfunk auf. Am 15.12.1942 wurde sie von Dresden ins KZ Auschwitz deportiert.
Ehrungen
- Orden des türkischen Sultans und des bulgarischen Königs
Werke
Schallplattenaufnahmen.
Literatur
- Illustrirtes Wr. Extrabl. 6.7.1902, 5
- Mährisches Tagbl. 24.4.1903, 5
- Das Vaterland 20.3.1905, 3
- Radio Wien 18.4.1927, 11
- Salzburger Wacht 12.3.1932, 15
- NZfM 82/6 (1915) 56, 83/14 (1916), 123, 84/24 (1917), 201
- Allgemeiner Tiroler Anzeiger 13.6.1929, 8
- Geburtsbuch der IKG Wien 1784–1911, RZ 3129
- http://forum.danzig.de (3/2020)
- www.geni.com (3/2020)
- https://ofo.no (3/2020)
- http://discography.phonomuseum.at (3/2020)
- http://home.allgaeu.org (3/2020)
- https://kehilalinks.jewishgen.org (6/2020)
- www.doew.at (6/2020)
- Sächsisches Staatsarchiv, Prospekt H. G.
- ÖNB, Musiksammlung, Nachlass Emil Fickert (F34.Fickert.507 MUS MAG)
- Mitt. Urenkel E. Hirth (6/2020)
- eigene Recherchen (Jb.er des Konservatoriums der GdM; www.anno.onb.ac.at)
Abbildungen
Autorin
- Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
17.12.2020Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Grünwald (gesch. Kloo, verh. Schmidt), Haydée“ (17.12.2020), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x003bda2a (abgerufen am )
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