Gassenhauer

Ursprüngliche Bezeichnung für nichtsesshafte, auf der Straße lebende Menschen;

übertragen auf das von diesen gepflegte Liedgut und später Überbegriff für das populäre städtische Straßenlied. Seit dem 16. Jh. bekannt, jedoch zur vollen Blüte gekommen mit der Industrialisierung des 19. Jh.s als Ausdrucksmittel der urbanen Arbeiter- und Kleinbürgerschichten. In der Regel handelte es sich um neu- oder umgetextetes Liedgut, dessen Melodien aus anderen Zusammenhängen allgemein bekannt waren. Der G. thematisierte auf humorvolle, oft spöttische und treffsicher parodierende Weise das harte Leben der Modernisierungsverlierer auf den Straßen und Gassen und erfüllte somit auch eine Ventilfunktion für deklassierte und außerhalb der Gesellschaft stehende Stadtbewohner. Er war musikalisches Allgemeingut, die Überlieferung erfolgte ursprünglich rein mündlich durch Nachsingen, verbunden mit Neukontextualisierung entsprechend lokaler Besonderheiten und aktueller Ereignisse. Durch die sozialökonomische Entwicklung sowie das Aufkommen einer professionellen Schlagerindustrie (mit Notendruck) allmählich seiner Grundlagen beraubt, verschwand der G. im 20. Jh. und ist heute v. a. als Berliner G. in Erinnerung.

Literatur

Autor

  • Michael Huber

Letzte inhaltliche Änderung

25.4.2003

Empfohlene Zitierweise

Michael Huber, Art. „Gassenhauer“ (25.4.2003), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001ceac (abgerufen am )

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