Fischer (verh. Schieber), Rosa (eig. Rosalia)

* 4.9.1868 Hartberg/St, † 20.1.1942 Oakland?, CA/USA

Bauerstochter, Schriftstellerin, Volksliedsammlerin

Die Tochter eines Bauern und Abdeckers besuchte bis zum 14. Lebensjahr die Volksschule und arbeitete danach am Hof der Eltern und später auf den Höfen ihrer Geschwister. Schon früh entwickelte sie eine Leidenschaft für das Lesen und Schreiben. Sie wurde erst von ihrem Lehrer Karl Kopf, ab 1887 vom Schriftsteller Ludwig Anzengruber (1839–89), danach vom Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Anton Bettelheim (1861–1930) und schließlich von P. Rosegger gefördert, der 1896–1916 über 50 ihrer Texte (Prosa und Lyrik) in seinem Heimgarten veröffentlichte, wodurch sie zur meistpublizierten Autorin dieser Monatsschrift wurde; dazu kamen Veröffentlichungen in anderen Zeitungen und Zeitschriften. Wie Rosegger nahm Fischer immer wieder Volksliedtexte in ihre Aufsätze auf. Sie traf ihn auch mehrmals und stand bis 1915 in regem Briefkontakt (siehe Rosegger-Nachlass im Steiermärkischen Landesarchiv PR B188.112-B7); sie waren einander Zeit seines Lebens freundschaftlich verbunden. Er verfasste auch das Vorwort zu ihrem 1903 erschienenen Buch Oststeirisches Bauernleben. Freundschaftliche Kontakte unterhielt sie außerdem zum deutschnationalen Priester und Dichter Ottokar Kernstock (1848–1928). 1908 ging Fischer über Wien nach Berlin, wo sie im Dienst bei der Opernsängerin Lilli Lehmann und deren Schwester war, mit der sie seit 1903 korrespondierte. 1910 wanderte sie nach Oakland aus; dort heiratete sie 1913 den Ingenieur Josef Schieber. Ein langer offener Brief über ihre Gedanken zum Ersten Weltkrieg wurde im San Francisco Examiner abgedruckt, einige ihrer Briefe aus den USA in der Wechselschau veröffentlicht. Fischer verstand sich als scharfsichtige Beobachterin und Chronistin des ländlichen Lebens, der einfachen Menschen in der Oststeiermark, ihrer Sitten und Bräuche, war aber auch am sozialen und politischen Geschehen interessiert; sie war geprägt von einer kämpferischen Natur wie auch von tiefer Religiosität und hatte ein gutes Gespür für soziale Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten. 1906 zeichnete Fischer gemeinsam mit J. Pommer die Melodien zu den von ihr im Oststeirischen Bauernleben wiedergegebenen Volksliedtexten auf; ein geplanter Abdruck der rund 40 Singweisen in der Neuauflage des Buches scheiterte; die Aufzeichnungen finden sich im Steirischen Volksliedarchiv (HS 173).

Werke

Gedichte: Sag nicht (1896), Gottes Geschöpf (1897), Der Mutter Bild (1903), Ein altes deutsches Bauernlied (1904), Mein Hartberg (1905), Unter der Linde (1906), Und Sehnsucht hebt die Flügel (1908), Ein Mißton (1910).

Schriften

  • Rosa Fischer, „Volkssprücheln und Vierzeilige aus der östlichen Steiermark“, in: Heimgarten 20 (1896), 75–77
  • Rosa Fischer, „Bauernnoth“, in: Heimgarten 20 (1896), 355–361
  • Rosa Fischer, „Kinderspiele in der Oststeiermark“, in: Heimgarten 21 (1897), 865–867
  • Rosa Fischer, „Alte Volkslieder aus Oststeiermark“, in: Heimgarten 21 (1897), 943f
  • Rosa Fischer, „Volksglaube über die Vergeltung im Jenseits“, in: Heimgarten 22 (1898), 290–296
  • Rosa Fischer, „Wie man im Volk isst“, in: Heimgarten 22 (1898), 710f
  • Rosa Fischer, „Ein Abendsingen“, in: Heimgarten 23 (1899), 221–224
  • Rosa Fischer, „Volksaberglaube. Gesammelte Beispiele aus der östlichen Steiermark“, in: Heimgarten 23 (1899), 601–607 und 680–686
  • Rosa Fischer, „Eine Wallfahrt nach Maria-Zell“, in: Heimgarten 24 (1900), 611–625 und 682–698
  • Rosa Fischer, „Sanges- und Blumenfreude im oststeirischen Landvolke“, in: Heimgarten 25 (1902), 296–304 und 383–389
  • Rosa Fischer, Oststeirisches Bauernleben, Wien 1903, Graz 21906
  • Rosa Fischer, „Die Osterzeit in der Oststeiermark“, in: Heimgarten 28 (1904), 529–535
  • Rosa Fischer, „Soldatenleben auf dem Lande. Ein Manöverbild“, in: Heimgarten 28 (1904), 596–608 und 678–689
  • Rosa Fischer, „Weihnachten in der Oststeiermark“, in: Heimgarten 29 (1905), 196–201
  • Rosa Fischer, „Vom Geschichtenerzählen“, in: Heimgarten 29 (1905), 364–373
  • Rosa Fischer, „Der Advent“, in: Heimgarten 30 (1906), 207–214
  • Rosa Fischer, „Aus der Kinderseele. Ein Blick ins steirische Volksherz“, in: Heimgarten 32 (1908), 186–189
  • Rosa Fischer, „Eine deutsche Frau bittet in Amerika um Gerechtigkeit“, in Heimgarten 40 (1916), 150–152

Literatur

  • Christine Wiesenhofer, Rosa Fischer. Kleinbauerndirndl, Schriftstellerin, Weltbürgerin, Graz 2020 (Veröffentlichungen der Steiermärkischen Landesbibliothek 45)
  • Taufbuch der Pfarre Hartberg 1856–73, fol. 347
  • eigene Recherchen

Abbildungen

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

10.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Fischer (verh. Schieber), Rosa (eig. Rosalia)“ (10.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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