Daninger, Hilda (Hilde) Anna

* 13.3.1884 Wien, † 7.5.1963 Wien

Komponistin, Musikerin, Musikpädagogin

Die älteste Tochter des höheren Beamten im Kriegsministerium Adolf Daninger (1843–1933) und seiner Frau Karoline, geb. Mayerhöfer (* 1859) erhielt wie ihre Schwester Gabriele (* 1886) eine gute Ausbildung. Nach dem Besuch der Volks- und Mittelschule studierte sie 1903–09 Klavier bei Hermann Marx am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, 1904–09 zudem Orgel bei Julius Böhm und R. Dietrich sowie Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition bei H. Grädener (sen.). 1904 legte sie hier die Staatsprüfung für Klavier, 1909 auch jene für Orgel (mit Auszeichnung) ab. 1930/31 besuchte sie als außerordentliche Hörerin einige Vorlesungen aus Philosophie und Musikwissenschaft (Musiktheorie) an der Universität Wien. Ab den 1930er Jahren war Daninger, wohl zur Absicherung ihres Lebensunterhalts, als Lehrerin für Orgel, Klavier und Musiktheorie tätig und bereitete als solche vorzugsweise auf die Staatsprüfung vor. Für ihre Schüler:innen veranstaltete sie immer wieder Vortragsabende in ihrer Privatwohnung in der Zenogasse 3 (Wien XII). Erst 1931 ging Daninger mit ersten Werken im Rahmen eines Konzerts von L. Slezak an die Öffentlichkeit. Interpretiert wurden diese von F. Schütz, Orgelvirtuose und Rektor der Musikakademie, der von deren Qualität überzeugt war und immer wieder Stücke Daningers spielte; ihm ist der Canon Nr. 1 gewidmet. Nach einer Aufführung im Großen Musikvereinssaal wurden ihr die „Beherrschung der kontrapunktischen Form und warme musikalische Empfindung“ (Zeitschrift für Musik 1935) zugeschrieben. Meist wurden ihre Stücke in Kirchen gespielt – im Stephansdom etwa 13 Mal zwischen 1931 und 1959 –, sie waren aber auch auf Radio Wien zu hören und wurden in Berlin, Breslau (Wrocław/PL), Köln/D und Troppau aufgeführt; Daninger selbst war zwei Mal für Studienaufenthalte in Paris. Als ihre Werke mit solchen der deutlich jüngeren Komponisten J. N. David und W. Jerger 1932 in der Kirche Maria am Gestade (Wien I) aufgeführt wurden, schrieb man diesen allen „durchaus ein hohes künstlerisches Niveau und bemerkenswerte zeitgenössische Schaffenskraft“ (Ostdeutsche Rundschau 1932) zu; als Franz Schuschnig 1935 in Klagenfurt Daningers Präludium und Fuge in a-Moll neben Werken von J. S. Bach und Max Reger spielte, meinte der Kritiker Cardona in der Freien Stimme: „Das Werk machte sehr guten Eindruck und bestand in Ehren zwischen zwei ganz Großen.“ A. R. sprach ihr im selben Jahr zwar „besonderen Erfindungsreichtum“ ab, gestand ihr aber „ein bemerkenswertes kontrapunktisches Können und Vertrautheit mit den Besonderheiten des Orgelsatzes“ zu (Der Tag 1935). Daninger war Mitglied im Club der Wiener Musikerinnen, in welchem immer wieder ihre Werke aufgeführte wurden, bei der AKM (1937–38 und 1945–63, obwohl seit 1945 keine Kompositionen mehr vorliegen), im Österreichischen Komponistenbund und der Musikergewerkschaft. 1954 sandte sie Präludium und Fuge an Albert Schweitzer, der ihr gegenüber seine „Freude an der Komposition“ (Marx/Haas 95) äußerte. 1934–37 wurden einige von Daningers Werken bei August Böhme & Sohn in Wien gedruckt; ihr Nachlass befindet sich in der Österreichischen Nationalbibliothek.

Ehrungen

  • Prof.-Titel 1960

Werke

Fast ausschließlich (sakrale) Orgelwerke: Präludien und Fugen in a-Moll Nr. 1 und 2 (1930 bzw. vor 1935), Orgeltrio, Fantasie, Fünf kleine Präludien (alle vor 1935); zwei Klavierwerke: Gavotte in a-Moll, Klavierstücke in a-Moll.

Literatur

  • Eva Marx, Art. „Daninger Hilda Anna“, in: dies. und Gerlinde Haas, 210 österreichische Komponistinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Salzburg u. a. 2001, 93–96 (mit WV)
  • Ilse Korotin, Art. „Daninger Hilda Anna“, in: biografiaA. Lexikon österreichischer Frauen, Bd. 1, hrsg. von ders., Wien 2016, 553
  • Claudia Friedel, Komponierende Frauen im Dritten Reich. Versuch einer Rekonstruktion von Lebensrealität und herrschendem Frauenbild, Münster 1995 (Frauenforschung interdisziplinär: Historische Zugänge zu Biographie und Lebenswelt 2)
  • Ostdeutsche Rundschau 19.11.1932, 9
  • Der Tag 3.2.1935, 11
  • Freie Stimme 29.11.1935, 3
  • Art. „Daninger Hilde“ (8.7.2026), in: Musikdatenbank von mica – music austria, https://db.musicaustria.at/node/210557 (mit WV) (27.7.2026)
  • eigene Recherchen

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

29.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Daninger, Hilda (Hilde) Anna“ (29.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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