Bromeisl (geb. Girzick), Rosa (u. a. auch Girczik, Gizicki)

* 1848 Ort/D?, † 22./23.1.1915 Wien

Sängerin, Musikpädagogin

Erst 13-jährig verließ Bromeisl 1861 ihr Zuhause und ging nach Hamburg/D, wo sie in einer Singspielhalle arbeitete. Zwei Jahre später lernte sie J. Brahms kennen, der „von ihrer schönen Stimme entzückt und von ihrem musikalischen Talent überrascht war“ (Neues Wiener Tagblatt 1915), sie von nun an förderte und ihr ein Studium bei dem mit ihm befreundeten Gesangslehrer und Dirigenten Julius Stockhausenermöglichte. Er initiierte auch ihren ersten öffentlichen Auftritt am 25.7.1868 im Saal des Kurhauses von Bad Neuenahr/D (heute Bad Neuenahr-Ahrweiler), bei dem Bromeisl, damals schon als in Wien lebend angekündigt, neben Hofopernsänger August Keller und anderen Stockhausen-Schüler:innen u. a. F. Schuberts Wanderer und gemeinsam mit ihrem Lehrer vermutlich Brahms’ Duette op. 28 vortrug, begleitet vom Komponisten selbst am Klavier. Dieser übernahm, gemeinsam mit C. Schumann, am 5.1.1870 auch den Klavierpart bei der ersten vollständigen Aufführung seiner Liebeslieder Walzer op. 52 im Kleinen Redoutensaal in Wien, bei dem Bromeisl die Alt-Partie sang; die weiteren Solist:innen waren L. Dustmann-Meyer (Sopran), G. Walter (Tenor) und Emil Krauss (1840–1889, Bass). Im April desselben Jahres war sie in Graz mit dem dortigen Singverein in G. F. Händels Oratorium Belsazar in der Fassung von I. F. Mosel zu hören. Im April 1871 wirkte sie bei einem Historischen Konzert mit den Wiener Philharmonikern unter H. Proch im Großen Wiener Musikvereinssaal mit. Am 11.3.1872 sang sie, begleitet von E. Frank am Klavier, Brahms’ Neun Lieder und Gesänge op. 32; der Kritiker des Neuen Fremden-Blatts hob danach ihr „dunkel gefärbte[s] Organ“, die „mustergiltige Deklamation“, besonders aber „den künstlerischen Ernst der Auffassung“ hervor und bezeichnete Bromeisl als „vielleicht die beste Brahms-Sängerin in Wien“. Am 6.2.1893 nahm sie an einem von der Pianistin M. Baumayer veranstalteten Konzert im Bösendorfer-Saal teil und sang mit F. Tschampa und Elisa von Asztalos 12 Terzette von G. Jenner. Am 27.4.1896 nahmen ihre Schüler:innen an einem von A. Door im Bösendorfersaal veranstalteten Konzert teil. Mit Brahms bzw. Stockhausen konzertierte sie außer in Hamburg und Wien auch in Budapest. 1897–1900 scheint sie in mehreren Heften der in Wien erscheinenden Deutschen Kunst- & Musik-Zeitung mit einem Inserat als „Gesangsmeisterin“ Rosa Bromeisl-Gizicki [!] in der Löwengasse 6 (Wien III) auf. Mehrmals nahmen ihre Schüler:innen an Konzerten des Vereins der Musiklehrerinnen teil, die meist zugunsten seines Pensionsfonds stattfanden. Am 16.4.1903 veranstaltete sie selbst ein Konzert mit ihren Schülerinnen und anderen Künstler:innen im Ehrbar-Saal. 1904 wird sie im Jahresbericht des Neuen Frauenklubs „Fräulein Bromeisl“ genannt. Aus gesundheitlichen Gründen musste Bromeisl ihre Bühnenkarriere beenden, blieb aber weiterhin als engagierte Pädagogin tätig und gab noch am Tag vor ihrem Tod eine Klavierstunde. Sie war zumindest seit 1897 Mitglied im Verein der Musiklehrerinnen sowie im Neuen Frauenklub.

Literatur

  • Klaus Hubmann, „Familie Schweighofer und Dokumente zum musikalischen Salon-Repertoire in Graz“, in: Drehscheibe Graz: Multikulturelle Verbindungen im 10. Jahrhundert, hrsg. von Ingeborg Harer, Graz 2022, 164
  • Neues Fremden-Blatt (Morgenausgabe) 19.3.1872, 2
  • Neue Freie Presse 9.2.1893, 7, 9.2.1896, 7, 10.4.1903, 9, 24.1.1905, 10
  • Neues Wiener Journal 7.2.1897, 6
  • Deutsche Kunst- & Musik-Zeitung, diverse Hefte 1898–99
  • Zweiter Jahresbericht des „Neuen Frauenklub“, Wien 1904/1905, 13
  • Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) 25.1.1905, 13, 23.1.1912, 11, 26.1.1915, 16
  • „Johannes Brahms im Heilbad Neuenahr“, in: Bad Neuenahr Ahrweiler, www.bad-neuenahr-ahrweiler.de (22.6.2026)
  • eigene Recherchen (www.anno.oenb.ac.at)

Abbildungen

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

29.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Bromeisl (geb. Girzick), Rosa (u. a. auch Girczik, Gizicki)“ (29.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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