Bochkoltz (ab 1849 auch Bochkoltz-Falconi, Bochholtz-Falconi), Anna Juliane (Nanny)

* 11.3.1815 Trier/D, † 24.12.1879 Paris

Sängerin, Musikpädagogin, Komponistin

Bochkoltz war die Tochter des Notars Friedrich Damian Joseph Bochkoltz und der Pädagogin Thecla Francisca Josepha, geb. Breuning. Ihr Onkel Johann Friedrich Joseph B. und seine Frau Barbara, geb. Sauer waren im August 1824 Paten bei der evangelischen Taufe einiger jüngerer Geschwister von Karl Marx, mit dessen späterer Frau Jenny von Westphalen B. in Kontakt stand. Bochkoltz, die 1831–33 Zeichnen an der Privatschule ihrer Mutter unterrichtete, dürfte beim dort tätigen, aus Wien stammenden Stephan Dunst (* 20.12.1787 Ort?, † 11.2.1838 Trier) ersten Musik- und Gesangsunterricht erhalten haben. 1843 trat sie erstmals als Interpretin zweier eigener Lieder öffentlich in ihrer Heimatstadt auf. 1844 studierte sie am Konservatorium in Brüssel, 1845 bei Giulio Marco Bordogni in Paris, wo sie 1846 „Membre Solo de la Société du Conservatoire de Paris“ wurde. In den folgenden Jahren gastierte Bochkoltz-Falconi erfolgreich als Konzert- und Opernsängerin u. a. in Paris, London, Basel/CH, Rotterdam/NL, Riga/RUS (heute LV), Deutschland (u. a. Augsburg, Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Gotha, Karlsruhe, Leipzig, München, Nürnberg), Italien (Mailand, Venedig, Ferrara, Bologna, Livorno, Florenz und Palermo) und am Kärntnertortheater in Wien; in Coburg/D hatte sie 1853–56 ein dauerhaftes Engagement am Hoftheater. Bochkoltz-Falconi verfügte über einen großen Stimmumfang und galt als „eine der bedeutendsten dramatischen Koloratursopranistinnen ihrer Generation in Deutschland“ (K-R). Ob sie ab 1849 den Namen Falconi trug, um im damals fremdenfeindlichen Italien nicht als Deutsche erkannt zu werden, oder weil die Aussprache ihres Namens für Italiener:innen sehr schwierig war, ist nicht geklärt. 1863–72 (nicht 1856–73) wirkte Bochkoltz-Falconi, die „zu den größten Gesangsnotabilitäten gezählt“ wurde (Wiener allgemeine Theaterzeitung 1850), als Gesangslehrerin in Wien und unterrichtete u. a. 1863–65 hochbezahlt Mädchen an der k. k. Hofopernschule sowie am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Zu ihren Schüler:innen zählten Ottilie Ebner (1836–1920), M. v. Hilleprandt, Ida Benza (1846–1880 oder 1889), Wilhelmine Raab (1848–1917) und Hermann Rosenberg (1849–1911). Danach ließ sie sich aus gesundheitlichen Gründen in Straßburg (Strasbourg/F) nieder, wo sie weiterhin Gesangsunterricht erteilte und manchmal auch noch auftrat. Bochkoltz-Falconi, die unverheiratet blieb, komponierte auch einige Klavierlieder und verfasste in ihrer Wiener Zeit eine Gesangsschule. Sie galt „als Gesangslehrerin ebenso tüchtig, wie […] als Sängerin groß“ (Wiener Theater-Chronik 1863) und starb während eines Paris-Aufenthalts an einem Herzschlag.

Ehrungen

  • Herzoglich Sächsisch Coburg-Gotha’sche Kammersängerin 1853
  • Widmungsträgerin von V. Lachners Vier Lieder op. 26, 1854

Werke

Lieder: Abendlied 1845 (T: Nikolaus Lenau), Frühlings-Verkündigung 1846 (T: Heinrich Hoffmann), Warnung vor dem Rhein 1847 (T: Carl Simrock), Geisterstimmen 1847 (T: Agnes Franz), In der Ferne 1847 (T: Marie Louise von François), Zwei Lieder für Sopran mit Begleitung des Pianoforte 1855, Chantons la chansonnette 1860 (T: Duesberg nach Adelbert von Chamisso).

Schriften

  • Anna Bochkoltz-Falconi, Morgenstunden des Sängers oder vollständige Studien für Tonbildung und Kehlfertigkeit. Ihren Schülerinnen gewidmet, Wien 1868

Literatur

  • Heinz Monz, Art. „Bochkoltz, Anna Juliane“, in: Trierer biographisches Lexikon, hrsg. von Heinz Monz, Koblenz 2000, 35
  • Art. „Falconi, Anna“, in: Karl Josef Kutsch / Leo Riemens, Großes Sängerlexikon, Bd. 4, 4. erweiterte und aktualisierte Auflage, München 2003, 1389
  • Wiener allgemeine Theaterzeitung 11.6.1850, 4
  • Wiener Zeitung 10.6.1853, 10
  • Wiener Theater-Chronik 14.5.1863, 4, 1.1.1868, 4
  • Axel Beer, „Anna Bochkoltz (Bochkoltz-Falconi)“ (10.5.2026), in: Musik und Musiker am Mittelrhein 2 | Online https://mmm2.mugemir.de/doku.php?id=bochkoltz (mit vielen Quellenangaben, 19.6.2026)
  • Art. „Bochkoltz Falconi, Anna“ (11.7.2013), in: Bayerisches Musiker-Lexikon Online, https://www.bmlo.uni-muenchen.de/b0690 (19.6.2026)
  • Art. „Anna Bochkoltz”, in: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Bochkoltz (19.6.2026)
  • eigene Recherchen

Abbildungen

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

29.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Bochkoltz (ab 1849 auch Bochkoltz-Falconi, Bochholtz-Falconi), Anna Juliane (Nanny)“ (29.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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