Ausstellung für Musik und Theaterwesen, Internationale

Vom 7.5.–9.10.1892 im Wiener Prater stattgefundene Ausstellung

Anlass war der 100. Todestag W. A. Mozarts, den eine Gruppe von Aristokraten und Aristokratinnen um die Fürstin P. v. Metternich-Winneburg auf besondere Weise begehen wollte. Unterstützt von Kaiserhaus, Regierung und bürgerlichen Kreisen wurde die A. als internationales Großereignis nach dem Vorbild zeitgenössischer Weltausstellungen konzipiert, das die „Kulturländer der Erde“ (O. Fleischer) in der „ersten Musikstadt der Welt“ (L. Rainer) versammeln und Wiens führende Rolle auf diesem Feld in Vergangenheit und Gegenwart demonstrieren sollte. Neben Deutschland, das im Verbund mit Österreich-Ungarn ausstellte, waren Italien, Frankreich, Großbritannien und Irland, Russland und Spanien sowie – mit kleineren Beiträgen – Belgien, die Niederlande, Schweden und die USA (Amerika) vertreten; darüber hinaus gab es – unabhängig von Staatengrenzen – auch eine polnische und eine bulgarische Abteilung.

Inhaltlich gliederte sich die Ausstellung in eine „Fachausstellung“, „welche die historische, künstlerische und technische Entwicklung der Musik und des Theaterwesens zur Anschauung bringen“ und in eine gewerbliche „Special-Ausstellung“, „welche alle der Musikpflege und dem Theaterwesen dienenden Erzeugnisse der modernen Industrie umfassen“ sollte (L. Rainer). Den Schwerpunkt des musikhistorischen Teils der Fachausstellung bildete die unter der wissenschaftlichen Leitung von G. Adler stehende deutsche und österreichisch-ungarische Abteilung, als deren Höhepunkte das „Interieur Habsburg-Lothringen“, das Material zu den vier als Komponisten hervorgetretenen Habsburgerherrschern präsentiert wurde, sowie die „Interieurs mit den Reliquien der Tonheroen“, die dem Andenken an Mozart, L. v. Beethoven, C. M. v. Weber, G. Meyerbeer, R. Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy und F. Liszt gewidmet waren, galten. Rich. Wagner war mit der „Gibichungenhalle“, die ein deutsches Fürstenhaus aus dem frühen Mittelalter nachbilden und die mythologische Gedankenwelt Wagners vermitteln sollte, ein eigenes Gebäude gewidmet. Ergänzt wurde die Ausstellung durch ein umfassendes internationales Konzert-, Theater-, Ballett- und Opernprogramm, das u. a. die Wiener EA von F. Smetanas Verkaufter Braut beinhaltete; zu diesem Zweck wurden auch eine eigene Musikhalle und ein von den Theaterarchitekten H. Helmer und F. Fellner entworfenes Ausstellungstheater errichtet sowie ein eigenes Ausstellungsorchester (H. Grädener) begründet. Diverse Attraktionen im Park um die Ausstellungshallen, wie etwa die Inszenierung Alt-Wien (s. Abb.), ein chinesisches Schattentheater und das Panorama Einfahrt des Oceandampfers „Lahn“ des norddeutschen Lloyd in den Hafen von New-York, rundeten das Programm ab.

Die A. dürfte ein großer kultureller Erfolg gewesen sein, was Besucherzahlen von mehr als 1.250.000, eine – zumindest im Inland – beeindruckende Medienpräsenz sowie langfristig sichtbare Impulse für das Wiener Musikleben belegen.

Literatur

Abbildungen

Autorin

  • Martina Nußbaumer

Letzte inhaltliche Änderung

5.4.2023

Empfohlene Zitierweise

Martina Nußbaumer, Art. „Ausstellung für Musik und Theaterwesen, Internationale“ (5.4.2023), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x00020c59 (abgerufen am )

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