Anekdote

Pointierte (und meist witzige) Begebenheit aus dem Leben berühmter Persönlichkeiten

Ursprünglich ein publikationstechnischer Begriff (aus dem Griechischen), der das noch Unveröffentlichte bezeichnete. Wenn auch häufig der Wahrheitsgehalt insgesamt in Frage gestellt werden muss, sind doch meistens Bezüge zu Verhaltensformen oder Äußerungen des Betreffenden gegeben. Zuweilen sind A.n und ähnlich lautende Erinnerungsberichte von Zeitzeugen nicht klar voneinander abzugrenzen (z. B. bei A. Bruckner). Eine Ausnahme stellen Wander-A. dar, die auf der Übertragung attraktiver Pointen beruhen. In der Regel liegt die Hauptbedeutung von A.n im Bereich der Rezeption.

Geschichte mittels A.n didaktisch populär zu vermitteln, hat in Österreich seit dem 19. Jh. Tradition und spielt gerade für die Musik eine wichtige Rolle. Abgesehen von Mentalitätsfragen überbrückt die A. die Kluft zwischen irrationaler Schaffenssphäre und allgemeiner Erfahrbarkeit. Bekannte Komponisten (vorrangig A. Bruckner und R. Strauss), aber ebenso ausübende Künstler (z. B. J. Hellmesberger, L. Slezak) und Institutionen (Oper, Wiener Philharmoniker) sind die am häufigsten auftretenden Protagonisten.

Literatur

Autor

  • Erich Wolfgang Partsch

Letzte inhaltliche Änderung

18.2.2002

Empfohlene Zitierweise

Erich Wolfgang Partsch, Art. „Anekdote“ (18.2.2002), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f6f0 (abgerufen am )

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