Alternatim

In der musikpraktischen und -wissenschaftlichen Terminologie für unterschiedlichste Fälle (besonders der Kirchenmusik) verwendet, in denen „alternierend“ (von lat. alternatim = abwechselnd) musiziert wird.

So z. B. Vorsänger – Gemeinschaft, Ein- und Mehrstimmigkeit, vokal – instrumental, nur jeder ungerade oder zweite Abschnitt eines Textes mehrstimmig u. ä. Gelegentlich ist eine exakte Feststellung schwierig oder auch gar nicht intendiert. Die größte Rolle kommt wohl der Orgel zu, deren Aufstieg in der Kirche beinahe nur so zu verstehen ist (P. Hofhaimer, N. Krombstorfer). In Österreich belegen dies z. B. Visitationsprotokolle der sog. Melker Reform (15. Jh.), nicht selten Beanstandungen der dadurch entstehenden Textverstümmelung. Die Anfänge sind in der entsprechenden Ausführung von Kyrie mit Wechsel von Choral und sog. früher Mehrstimmigkeit zu suchen, ebenso in Sätzen mit ein- und mehrstimmigen vokalen Abschnitten in den Trienter Codices. In der Geschichte der A.-Messe scheint H. Isaacs etwa 20 Beispielen eine besondere Rolle zuzukommen. Obwohl noch die barocke Versetten-Komposition eindeutig in dieser Tradition steht, kann das Prinzip nicht auf jegliche Instrumentalmusik in der Kirche (Kirchensonate, Sinfonien, Gradual- und Elevationsmusiken etc.) ausgedehnt werden.

Literatur

Autor

  • Rudolf Flotzinger

Letzte inhaltliche Änderung

18.2.2002

Empfohlene Zitierweise

Rudolf Flotzinger, Art. „Alternatim“ (18.2.2002), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f6b3 (abgerufen am )

Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.